Jaderberg - Von den meisten unbemerkt, sitzt eine junge Frau mit ihren Begleitern im ansonsten leeren Restaurant im Jaderpark. Es ist ungewöhnlich kalt, und entsprechend wenig Besucher tummeln sich im Park, obwohl heute ein besonderes Ereignis ansteht: „Jamiro“, das jüngste Mitglied im Giraffenhaus, wird getauft. Die junge Frau im Restaurant ist die Taufpatin, ihr Name ist Caroline Noeding, sie ist die amtierende Miss Germany.
In amerikanischen Filmen sieht man immer wieder, dass die Gewinnerinnen von Miss-Wahlen mit großem Tamtam empfangen werden: Blaskapellen, Fahrten in offenen Cadillacs und rote Teppiche. Im Jaderpark hingegen ist das Auftauchen fast beiläufig. Plötzlich steht Miss Germany zwischen den wartenden Pressevertretern im ansonsten nur für Tierpfleger zugänglichen Bereich im Giraffenhaus. Im Besucherraum dürfte fast niemand die Ankunft bemerkt haben.
Caroline Noeding ist erst seit dem 23. Februar Miss Germany, am gleichen Tag wurde „Jamiro“ geboren. So kam es, dass der Jaderpark die 21-jährige Hannoveranerin fragte, ob sie nicht die Taufe übernehmen wolle.
Schärpe gegen Jacke
Im Fokus der Aufmerksamkeit beginnt im beengten Tierpflegerzugang dann die Transformation von der jungen Frau zur Miss Germany: Die dicke Winterjacke wird ausgezogen, die Schärpe aus der Tasche geholt und umgelegt, erste Interviews werden gegeben. Barbara Minnemann, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, geht mit Caroline Noeding die Taufzeremonie durch: langsam, ohne laute Geräusche, auf „Jamiro“ zugehen, ein paar Meter Abstand halten und symbolisch etwas Wasser vergießen. Ob sie denn Angst vor dem fast zwei Meter großen „Baby“ habe, wird Miss Germany gefragt: „Nein, aber ich bin gespannt, ob es schüchtern oder neugierig ist.“
Irgendwann gelingt es, Mutter und Sohn zu trennen, so dass nur noch „Jamiro“ im vorderen Bereich des Innengeheges ist. Die Tür wird geöffnet, die Fotografen beziehen leise Position im Gehege. „Jamiro“ guckt etwas zweifelnd. Als dann Miss Germany langsam mit einem Glas Wasser auf das Giraffenbaby zubewegt, weiß „Jamiro“ zunächst tatsächlich nicht, ob er eher schüchtern oder eher neugierig ist. Irgendwann siegt aber die Neugierde.
„Jamiro“ bewegt sich langsam auf das ausgestreckte Glas in der Hand von Caroline Noeding zu. Es ist ein leicht skurriles Bild, ist doch der Täufling bedeutend größer als die Täuferin, die zudem ihre Aufmerksamkeit gerecht zwischen „Jamiro“ und den Pressevertretern aufteilen muss. Mehrere Minuten dauert die Taufe, immer wieder muss sich Caroline Noeding etwas anders positionieren, bis „Jamiro“ die Audienz für beendet erklärt und sich demonstrativ zu seiner Mutter bewegt.
Kurz darauf stellt sich Miss Germany den Gästen im Besuchsraum, die getaufte Giraffe wird fast zur Nebensächlichkeit. Fast alle scharen sich um Caroline Noeding, wollen Autogramme, Interviews oder ein Foto mit ihr. Die Namensgeber, die das Gewinnspiel des Jaderparks gewonnen haben, stehen etwas abseits und wirken leicht verloren, bis sich Minnemann ihrer annimmt und dankbar die Taufgeschenke entgegennimmt.
Knapp 40 Minuten
Nach knapp 40 Minuten wird Miss Germany wieder zu Caroline Noeding und verschwindet in Richtung Restaurant, wieder ohne Blaskapelle oder offenen Cadillac.
„Jamiro“, wieder mit seiner Mutter vereint, steht derweil im Gehege und versucht mit lang gestrecktem Hals und herausgestreckter Zunge an die frisch aufgehängten Äste zu kommen. Ein bisschen wachsen muss er noch.
