Seefeld - Die Seefelder Mühle wagt an diesem Freitag ein weiteres Experiment: Ab 20 Uhr veranstaltet das Kulturzentrum erstmals den „kleinen Abend der abwegigen Themen“. Die Zuschauer dürfen sich auf sechs Vorträge freuen, die jeweils höchstens zehn Minuten dauern werden. Eintritt wird nicht erhoben, aber eine Spende ist willkommen, sagt die Geschäftsführerin Julia Vogel.
Ein Referent ist beispielsweise Reiner Diers vom Hof Moorfreude, der Erzeugnisse vom Bunten Bentheimer Schwein verkauft. Er will zeigen, wie jeder mit etwas technischem Geschick einen Reinigungsroboter selbst bauen kann.
Sein Nachbar Hinnerk Bruns vom Hof Butendiek hat ein völlig anderes Thema: Freddie Mercury. Unter dem Motto „Don‘t stop me now“ stellt er den 1992 verstorbenen Chef der Band Queen vor. Gerhart Krutschinna, ehemaliger Mitarbeiter des Kernkraftwerks Unterweser und jetzt freiwilliger Müller an der Seefelder Mühle. informiert über eines seiner Hobbys: Gleitschirmfliegen.
Fast alle Referenten werden Beamer-Präsentationen zeigen, sagt Julia Vogel. Und nach jedem Vortrag besteht für die Zuschauer Gelegenheit, Fragen zu stellen.
Vorbild aus Boston
Dieses neue Format ist 2003 in den Vereinigten Staaten entstanden; dort war es unter dem Motto Nerd-Nites erfolgreich. Ein Nerd ist ein Mensch, der in ein bestimmtes Thema stark vertieft ist und sich ein besonderes Spezialwissen erarbeitet hat. Häufig wird dieser Begriff für Computer- und Internet-Fans benutzt. Nite ist umgangsschriftliches Amerikanisch und bedeutet Nacht.
Im Jahre 2003 also ging der Erfinder der Nerd-Nite immer in seine Bostoner Stammkneipe. Nachdem er drei Monate gefehlt hatte, wurde er gefragt, was er in der Zeit gemacht habe. Er brachte daraufhin Laptop und Beamer mit und berichtete über seine Forschungsreise und das endlose Zählen von Zugvögeln. Dieser ausgefallene Bericht kam so gut an, dass er wiederholt werden sollte. Daraus ist die Nerd-Nite entstanden.
Publikum fragt nach
Inzwischen sind die Nerd-Nites eine weltweit verbreitete Abendveranstaltung, bei der drei oder mehr Vortragende für maximal 10 Minuten – gern auch etwas kürzer – einen anregenden, ungewöhnlichen und möglichst auch witzigen Blick in ihr (wissenschaftliches) Fachgebiet werfen, während das Publikum bei Getränken und Knabberzeug angehalten ist, mitzudenken, zu fragen und zu diskutieren.
„Die Nerd-Nite lebt von ihrer Flexibilität, von der gemütlichen Atmosphäre bei den Treffen und, natürlich, vom Wissen ihrer Redner“, erläutert Julia Vogel. „Wichtig ist, dass der oder die Vortragende für ein ganz eigenes, gern etwas abseitiges Thema brennt und darin eine gewisse Expertise entwickelt hat.“
