Mannheim - Horst-Dieter Schlossers Name ist mit dem Unwort des Jahres untrennbar verbunden. Der frühere Sprachwissenschaftler der Uni Frankfurt, seit 2002 emeritiert, ist der Begründer der Aktion. Er suchte seit 1992 das Unwort, machte es sich bei der Fahndung nach den schlimmsten Worten nicht leicht, sich nicht und auch nicht anderen. Immer wieder gab es Ärger, wurde er angefeindet.
Bis 1994 war das Unwort eine Aktion der Gesellschaft für deutsche Sprache. In dem Jahr hat sich dann die Jury gestritten. Unwort des Jahres wurde damals Peanuts. Die Aktion wurde immer stärker zu einem Projekt von Schlosser. Sozusagen ein Privatunternehmen des heute 75-Jährigen. Fast 20 Jahre lang, zwischen 1992 und 2011, stellte der sich an einem Dienstag im Januar vor die Presse, um den meist Überraschten das Unwort zu erläutern.
Zur Jury gehören heute vier ständige Mitglieder, einer von ihnen als Sprecher. Zurzeit: Prof. Dr. Martin Wengeler (Trier), Prof. Dr. Nina Janich (TU Darmstadt; Sprecherin seit 2011 und damit die eigentliche Nachfolgerin von Schlosser), Prof. Dr. Jürgen Schiewe (Greifswald), Dr. Kersten Sven Roth (Zürich), Stephan Hebel (Frankfurter Rundschau). Jedes Jahr gibt es ein oder zwei kooptierte Mitglieder, 2012 Ralph Caspers, die mitentscheiden dürfen.
Das Unwort wird als eine Rüge gesehen. Man will das Sprachbewusstsein schärfen, doch besonders 2013 fehlt vielen das Verständnis für das Unwort „Opfer-Abo“. Es geht zurück auf Jörg Kachelmann, der damit Frauen meinte, die Männern gern die Schuld geben.
Der Wetterfrosch und Moderator stand wegen Vergewaltigungsvorwürfen vor Gericht, wurde 2011 freigesprochen. In einem „Spiegel“-Interview meinte er im Oktober 2012 mit Wut im Bauch, Frauen würde bei Vergewaltigungen schnell die Opferrolle zugesprochen, sie hätten also ein „Opfer-Abo“. Das Wort ist kaum verbreitet. Viele fürchten, dass das Wort nun für manche eine willkommene Ergänzung des persönlichen Lexikons wird.
Es gehe nicht nach Häufigkeit, ließ die Jury schnell verlauten. Das Gremium arbeite zudem „ehrenamtlich und unabhängig“. Doch ein wenig bekannter sein sollte der Begriff schon, meint unter anderem der Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt, Heinrich Detering.
Kritik kam auch von der Opferorganisation Weißer Ring: Es bestehe die Gefahr, ein Wort auf diese Weise erst populär zu machen.
