Wildeshausen - „Wenn es kommt, dann richtig“, wird sich Lars Kröger (30) gedacht haben, als er sich vor rund einem Jahr auf den Thron der Wildeshauser Schützengilde schoss. „Da hat man einmal die
Schnapsidee, mitzuschießen und dann trifft man diesen Vogel auch noch“, sagt er heute. Klar ist für ihn aber auch: „Ich bin froh, dass ich es gemacht habe. Wer weiß, ob ich diese Chance je wieder gehabt hätte?“
Wie im Tunnel habe er sich zeitweise nach dem Königsschießen gefühlt, sagt Kröger. „Plötzlich fiel der Vogel runter, alle gratulierten mir und im nächsten Moment hatte ich auch schon die Kette um den Hals und saß auf der Sänfte. Wie ich dann zum Krönungsplatz gekommen bin? Keine Ahnung!“ Auch Ehefrau Melanie (31) wurde von den Ereignissen überrascht. „Sie hatte Glück, dass auf dem Krandelplatz ihre Friseurin neben ihr stand“, erzählt Lars Kröger. „Die hat extra für sie ihren Salon noch mal aufgemacht.“
Erst am Donnerstag nach dem Katerfrühstück habe er richtig verarbeitet, was alles passiert ist. „Eine große Hilfe waren mir dabei auch die Fähnriche Thomas Seyffart und Gerald Kreienborg“, sagt Kröger. „Sie haben mich quasi da abgeholt, wo ich stand, mir gesagt, wie es jetzt weitergeht und mich auch mal gebremst, wenn ich drohte, zu euphorisch zu werden. Und ihre Frauen, Kirsten und Anja, haben sich liebevoll um Melanie gekümmert.“
Dass aus dem Königspaar bald eine Familie werden sollte, wussten beide zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Sohn Luca kündigte sich erst kurz nach dem Gildefest an und stellte das Paar vor neue Herausforderungen. „Mit der Zeit wurden die offiziellen Termine für Melanie dadurch natürlich schwieriger“, erklärt Kröger. „Aber die Gilde hat sich verständnisvoll gezeigt, sie war ja auch nicht die erste schwangere Königin. Gleichzeitig hat meine Frau mich auch großartig unterstützt und bei allem hinter mir gestanden.“
Hervorragend funktioniert hat auch die Zusammenarbeit mit Schaffer Micheal Rüdebusch, mit dem er seit Jahren befreundet ist und der ebenfalls zum Pfingstclub Los Gilderados gehört. „Als Michael zum Schaffer ausgerufen wurde, wusste ich gleich, dass wir uns nicht groß zusammenraufen müssen“, sagt Kröger.
Die offiziellen Verpflichtungen, die mit der Königswürde einhergehen, bekam Lars Kröger nach eigenen Angaben gut unter einen Hut. „Es kursieren ja immer mal Gerüchte, dass man 200 Termine im Jahr absolvieren muss“, sagt er. „Das ist natürlich Quatsch, dann wäre ich ja alle zwei Tage für die Gilde unterwegs.“ Zwei Tage Urlaub habe er sich für das Königsjahr genommen, so Kröger. „Und die wären auch nicht unbedingt nötig gewesen.“
Nur für die gemeinsame Leidenschaft der Krögers, Werder Bremen, blieb im Königsjahr wenig Zeit. „Aber mit Werder wird es noch viele Jahre weitergehen“, sagt Lars Kröger. „König bin ich nur einmal.“ Dankbar ist er vor allem für die Einblicke, die er so bekommen hat. „Man konnte mal hinter die Kulissen sehen, wie viel Arbeit im ganzen Fest steckt. Und man durfte als König zu den Terminen, zu denen man sonst nicht hinkommt.“ Von den Erinnerungen, die er in diesem Jahr gesammelt hat, wird er noch seinem Sohn erzählen, ist Lars Kröger sicher. „Wahrscheinlich wird Luca sich auch irgendwann mit dem Gilde-Virus anstecken. Und wer weiß, vielleicht schießt er ja auch mal den Papagoy ab“, fügt er schmunzelnd hinzu.
