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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Einsam auf weißem Flokati

21.01.2013

Oldenburg Stille. Ein Mann liegt bäuchlings auf einer Insel, die Augen geschlossen, schweigend. Zaghaft tasten seine Hände auf dem weichen Untergrund, langsam richtet sich der Mensch auf, geht ein paar Schritte, verharrt, entdeckt unter dem angespülten Müll einen Kassettenrekorder. Von dort kommen die ersten menschlichen Worte an diesem Abend in der Exerzierhalle des Oldenburgischen Staatstheaters. Es sind nicht allzu viele, die in der Uraufführung „Crusoe“ nach Motiven von Daniel Defoe und Michel Tournier folgen.

Mutiges Stück

Einsamkeit ist keine gesellige Gefährtin. Und so lautet der Tagebucheintrag, den Robinson Crusoe nach 64 Tagen auf Band spricht: „Heute sank ich in den tiefsten Abgrund meiner Verlassenheit seit meiner Ankunft.“ Wie eine Welle schwappt das bedrückende Schweigen ins Publikum. Stille ist zuweilen schwer zu ertragen. Jedes Räuspern der Besucher strömt unbarmherzig ins gleißende Scheinwerferlicht der Bühne.

So gesehen ist „Crusoe“ unter der Regie von Julia Hölscher ein mutiges Stück. Sie verzichtet sogar auf Freitag, lässt Denis Larisch 70 Minuten allein das Stück wuppen. Wenn jemand einen Spezialisten für Einsamkeit eindrucksvoll spielen kann, dann ist es wohl Larisch, ein nachdenklicher, poetischer Mensch, im Einklang mit sich selbst.

Verstörte Hilfeschreie

„Vergeude nicht die Zeit. Es ist der Stoff, aus dem das Leben gemacht wird“, lautet Crusoes Tagebucheintrag Nummer 369. So gut hat sich der Mann nicht immer im Griff. Einmal robbt er grunzend und brabbelnd wie ein Tier über den Boden. Ein anderes Mal nuschelt er undeutliche Worte, die sich zu dem Lied „Help“ von den Beatles formen und in verstörten Hilfeschreien enden. Das geht unter die Haut.

Zuweilen rettet Crusoe sich in Tagträume. Offenbachs Barcarole erklingt lieblich und sanft. Ein engelgleiches Mädchen (Anneke Schipper) steigt aus einem Kühlschrank, der bisher, neben anderen nutzlosen Alltagsgegenständen wie Blechdosen, Stühlen und einer Badewanne, unbeachtet auf dem riesigen, weißen Flokati lag, der den Bühnenboden komplett bedeckt. Wortlos verlässt das Mädchen den Raum.


Alle Theaterkritiken finden Sie unter   www.nwzonline.de/theater 
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