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NWZonline.de Nachrichten Kultur

„Ein Bildniß, gut auf Leinwand gemalet“

03.08.2019

Eisenach Steht ein Musikfreund vor dem Bach-Denkmal in Leipzig und sagt ganz versonnen: „Ja, Ja. Schubert. Kleine Nachtmusik. Rätätätää.“ Natürlich, das ist ein uralter Witz. Doch er leitet gut über zur Suche nach einem echten Abbild von Johann Sebastian Bach. Das Monument von Carl Ludwig Seffner jedenfalls hat mit dem Menschen Bach nichts zu tun. Erhabene Geste und Sockelhöhe drücken eher Verehrung für den musikalischen Giganten aus. Da könnte sie auch Schubert, Mozart oder Beethoven gelten.

Wie sah Bach (1685–1750) wirklich aus? Jedenfalls nicht so, wie auf dem Klotz vor der Thomaskirche, in der er beerdigt wurde. Und auch nicht wie auf der Bronzestatue von Adolf von Donndorf vor seinem Geburtshaus am Frauenplan in Eisenach in Thüringen. Drin aber, im Museum, schauen jede Menge Bache den Besucher an. Dieser steckt damit schon mitten im Problem. „Ist das Bach, oder kann das weg?“, fragt Bachhaus-Direktor Jörg Hansen provokativ. Nach derzeitigem Forschungsstand könnten fast alle Bildnisse weg: „Nur eins der bekannten Bilder ist nachweislich nach der lebenden Person gemalt worden.“

Ausstellung voller Bilderrätsel

Bis zum 10. November läuft im Bachhaus Eisenach die Sonderausstellung „Bilderrätsel“ um bekannte, aber höchst umstrittene Porträts von Johann Sebastian Bach. Das Museum am Frauenplan 21 in Bachs Geburtsstadt in Thüringen hat täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Ein Katalog ist im Eintrittspreis enthalten; er kann von Nicht-Besuchern für 10 Euro bezogen werden.

    www.bachhaus.de

„Bilderrätsel“ heißt die Sonderausstellung, die noch bis zum 10. November Hintergründen und Originalität Bachscher Darstellungen nachspürt. Gemessen an den Porträts auf Büchern, Tonträgern, Plakaten oder Programmen, die den Thomaskantor zeigen sollen, müsste er sich oft haben malen lassen.

Uwe Fischer zeigt auf jenes Porträt, das Elias Gottlob Haußmann 1746 gefertigt hat, das original im Alten Rathaus in Leipzig hängt. „Bei der Restaurierung 1913 hat man eine rückwärtige später aufgezogene Leinwand abgenommen und die Originalsignatur aufgedeckt“, erläutert der Kustos und Museumspädagoge: „EG Haußmann pinxit. 1746.“

Entstanden ist das Bild wohl vor Bachs Beitritt zur „Sozietät der Musikalischen Wissenschaften“ 1747. Jedes Mitglied hatte „ein Bildniß, gut auf Leinwand gemalet“, einzuschicken. In der Hand hält der 61-Jährige seinen Rätselkanon BWV 107. Der höchst produktive Maler mit Hofprivileg erntet heute Kritik. Von „Serienarbeit“ ist die Rede, davon, dass die Darstellung „am allerwenigsten den wahren Gesichtsausdruck Bachs wiedergibt“.

Zur Bach-Renaissance am Ende des 19. Jahrhunderts tauchten zahlreiche „Bach-Bilder“ auf. Für authentisch gehaltene Porträts haben sich in wissenschaftlichen Erkundungen als Irrtümer oder Fälschungen entpuppt. Das von Johann Jacob Ihle 1740 gefertigte „Bach-Porträt“ heißt heute nur noch schlicht „Porträt eines mittelalten Herrn“ und stellt wohl einen Bayreuther Adligen dar. An einem anderen Gemälde hegte Denkmal-Schöpfer Seffner 1928 „keinen Zweifel, dass es ein Bildnis von Bach ist“. Er bedauerte, dass er es 1908 für seine Statue nicht zur Verfügung hatte: „Denn es ist das beste der bekannten Bilder.“ Es stellt aber den Uhrmacher John Harrison dar.

Eine andere Wahrheit kennt man längst zum Bild eines unbekannten Malers, das Bach von Krankheit geprägt im Alter zeigen sollte. Noch der große Humanist und Bach-Verehrer Albert Schweitzer schrieb zu diesem etwas grimmen Alten: „So mag der Thomaskantor in seinen letzten Jahren ausgesehen haben, wenn er das Schulgebäude betrat, in dem irgendein neuer Ärger seiner wartete.“ Doch Bach ist das mit Sicherheit nicht.

Die Ausstellung zeigt auch spannende neue Versuche, über einen 1894 ausgegrabenen vermeintlichen Bach-Schädel das Gesicht zu rekonstruieren. Hinzu kommen Büsten, Stich- und Umrisszeichnungen. Eine 1921 entdeckte Bach-Silhouette wurde lange auf das 18. Jahrhundert datiert. „Doch dann kam der Knaller“, sagt Uwe Fischer und lacht: „Sie stammte aus der ab 1910 von Reinhold Hanisch zeitweise mit einem gewissen Adolf Hitler betriebenen Fälscherwerkstatt in Wien.“

Es tauchen auch neue Bilderrätsel auf. Das Leipziger Bacharchiv hat vor einigen Jahren einen möglicherweise echten Bach aus Privatbesitz gekauft. Und das Eisenacher Bachhaus erwarb 2015 ein Gemälde mit verwinkelter Entstehungsgeschichte von oder nach Johann Emanuel Göbel. Der Kunsthistoriker Reimar Lacher bewertet es als „nach dem Leben entstanden“. Es könne neben dem Haußmann-Bild bestehen.

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