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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Bayreuth: Eklat um Nazi-Tattoos auf Sängerbrust

23.07.2012

BAYREUTH Umbesetzung kurz vor der Generalprobe: Wegen Tätowierungen mit nationalsozialistischen Symbolen hat der Bassbariton Evgeny Nikitin seinen Auftritt bei den Bayreuther Festspielen abgesagt. Der Russe war für die Titelrolle in Richard Wagners „Fliegendem Holländer“ vorgesehen. Mit der Oper sollen die Festspiele am kommenden Mittwoch eröffnet werden. Ersatzmann Samuel Youn stand bereits bei der Generalprobe am Sonnabend auf der Bühne. Der Südkoreaner wäre auch im Falle einer Erkrankung eingesprungen.

„Mir war die Tragweite der Irritationen und Verletzungen nicht bewusst, die diese Zeichen und Symbole besonders in Bayreuth und im Kontext der Festspielgeschichte auslösen“, erklärte der 38-Jährige am Sonnabend in einer schriftlichen Stellungnahme. Nach einem Gespräch mit der Festspielleitung habe er sich dazu entschieden, auf seinen Auftritt zu verzichten.

Die „künstlerische Beschädigung der Inszenierung“ sei selbst nach Einarbeitung Youns immens, sagte Regisseur Jan Philipp Gloger. Es sei fraglich, ob das restlos aufgefangen werden könne.

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Die Festspielleitung war nach eigener Aussage durch Recherchen der „Bild am Sonntag“ auf die kritischen Tattoos aufmerksam geworden. In der ZDF-Kultursendung „Aspekte“ am Freitagabend waren ältere Aufnahmen Nikitins zu sehen, die ihn als Schlagzeuger einer Heavy-Metal-Band zeigen. Auf seiner Brust ist ein Hakenkreuz-Tattoo zu erkennen, das teilweise von einem anderen Motiv überdeckt ist. „Ich habe mir die Tattoos in meiner Jugend stechen lassen. Es war ein großer Fehler in meinem Leben, und ich wünsche mir, dass ich es niemals getan hätte“, schrieb Nikitin. Das Hakenkreuz auf seiner Brust ist inzwischen mit einem farbigen Tattoo überstochen.

Nach eigener Aussage kannte Nikitin, der in Murmansk im Nordwesten Russlands geboren wurde, die Bedeutung einiger Tätowierungen nicht. „Es war mir nicht klar, dass die Symbole, die ich als Tattoos trage, in Zusammenhang gebracht oder sogar von Nazis oder Neonazis benutzt werden können“, sagte er. Unter anderem trägt er zwei auch von den Nationalsozialisten verwendete Runen auf dem Oberkörper.

Er sei sich bewusst, „dass die Verbrechen, die in Nazi-Deutschland verübt wurden, zu den schrecklichsten Verbrechen gehören, die je verübt wurden“, betonte Nikitin. Er habe sich die Tattoos in den Jahren 1989, 1990 und 1991 in Russland stechen lassen und sie „in Büchern über nordische Mythen und aus Tattoo-Shop-Katalogen ausgesucht“. Die Zeichen hätten für ihn „überhaupt keine politische, sondern nur eine spirituelle Bedeutung. Ich war nie Teil einer politischen Partei und bin es auch heute nicht.“

Die Verzahnung der Festspiele mit den Größen der Nazi-Diktatur markiert eines der dunkelsten Kapitel der Musikgeschichte in Deutschland: Adolf Hitler war regelmäßiger Festspielgast und ließ sich in Bayreuth feiern. Seit einigen Tagen erinnern mannshohe graue Info-Tafeln vor dem Festspielhaus an die Judenfeindlichkeit auf dem Grünen Hügel.

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