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NWZonline.de Nachrichten Kultur

„Sommernachtstraum“ im Frühling

11.04.2016

Oldenburg Wirklich umstürzlerisch ist nur das Bühnenbild. Zwei Akte lang steht es im Großen Haus des Staatstheaters kopf. Ein Schloss, Häuser, eine Laterne, eine Säulenbalustrade. Wie ein Spiegelbild im Wasser. Zum dritten Akt der Oper „Ein Sommernachtstraum“ nach Shakespeare von Benjamin Britten dreht es sich aufrecht: Hey! Das Oldenburger Schloss, die Lamberti-Türme, der Lappan!

Die Szene beschert der Premiere ein Aha-Erlebnis – und einen desillusionierenden Moment. Örtlich derart nah gerückt, verfliegen Zauber und Träume der vorherigen Sommernacht. Aber die machen die eigentliche Stärke der Inszenierung von Tom Ryser aus. Er setzt stark auf diese Stimmungen, mehr als auf die doppelbödige Absurdität der Gefühlsverwirrungen nach den falsch verabreichten Liebeselixieren. Hier belastet am Tag danach eher ein Kater als ein Gewissen.

Liebevoll arrangiert

Ryser hält es mit der Ermunterung von Theseus an die Handwerker, ihre köstliche Opern-Parodie zu beginnen: „Es kann nämlich nichts ganz und gar daneben gehen.“ Auch die Gesamt-Regie schlägt sich auf die sichere Seite. Sie verfolgt eine direkte Linie ohne überfrachtende Metaphern, bezaubert mit liebevoll arrangierten Details. Die Elfen sind Elfen, wie man sich Elfen vorstellt, mit Hochfrisuren und gelben Stiefeln.

Liebeswirren sind Liebeswirren handfest und geradeaus, ohne zusätzliche psychologische Verwerfungen. Alles mündet in einen schönen, breiten Fluss. Aber genau da täten in den drei Stunden ein paar aufwirbelnde Stromschnellen gut.

Mit seiner Bühnen-Ausstattung stützt Stefan Rieckhoff diesen Ansatz. Er baut mit einem vermüllten Untergrund und einem demolierten Müllcontainer wohltemperiert ein bisschen nächtliches Chaos gegen die bürgerliche Ordnung am hellen Tage auf. Es geht eben auch in der Elfenwelt nicht ganz sauber zu.

Die Inszenierung lässt der Musik wundervoll Raum zur Entfaltung der oft fein ziselierten Klänge. Dirigent Vito Christófaro zeigt mit dem Staatsorchester das Gespür für Brittens Idiom. Die Musiker können vordergründig illustrieren, aber sofort wieder intensiven Geheimniszauber entfalten. Präzise kommen die vertrackten Rhythmusfiguren, fast impressionistisch die Klangkombinationen von Harfen und glitzerndem Schlagwerk. Manche der Streicherglissandi lassen mehr Gefährlichkeit ahnen, als sie auf der Bühne aufkommt.

In allen Fällen ist Verlass auf das prächtige Sängerensemble. Es wirkt ebenso in sich geschlossen wie individuell prägnant in den Rollengestaltungen: Philipp Kapeller und Hagar Sharvit (Lysander und Hermia), Daniel Moon und Valda Wilson (Demetrius und Helena), Leandro Marziotte und Alexandra Scherrmann (Oberon und Titania). Dabei müsste der lyrisch gut geführte Countertenor von Marziotte dynamisch zulegen.

Besonders plastisch gestaltet Tomasz Wija die Figur des Zettel. In weiteren Rollen: Paul Brady (Theseus), Yulia Sokolik (Hippolyta), Ill-Hoon Choung, Mark Murphy, Henry Kiichli, Alexander Murashov und Aarne Pelkonen (Handwerker). Viel Beifall fällt dem von Thomas Honickel einstudierten und sehr präsenten Klanghelden-Jugendchor zu.

Surreale Momente

Das letzte Wort hat Puck. David Bennent, als Oskar Matzerath in der Schlöndorff-Verfilmung der „Blechtrommel“ zu Ansehen gelangt, verdichtet in der Sprechrolle des Gehilfen von Oberon die surrealen Momente. Hat der verschlagene Elfe die Verabreichung des Zaubertranks verschusselt? Hat er ihn bewusst den Falschen eingeflößt? Was sagt seine kommentierende Körpersprache? Das sind jene Szenen, die diesen „Sommernachtsraum“ doch erlebenswert machen.


Allle Theaterkritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 

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