ELISABETHFEHN - ELISABETHFEHN - Fein herausgeputzt hatte sich am Wochenende die Ortschaft Elisabethfehn. Festlich geschmückt war der Ort entlang der rund 15 Kilometer langen Strecke am Elisabethfehnkanal. Viele der 3500 Einwohner hatten sich dafür kräftig ins Zeug gelegt. Überall entlang des letzten noch intakten Fehnkanals mit seinen Klappbrücken und Schleusen wehten Girlanden und Fahnen im Wind. Das hatte auch seinen besonderen Grund. Elisabethfehn feierte seinen 125. Geburtstag mit einem bunten Jubiläumsprogramm – und der gesamten Bevölkerung.
Sowohl im Bollinger Kanal als auch im Elisbethfehnkanal hatte zahlreiche historischen Plattbodenschiffe angelegt, darunter auch die „Angela von Barßel“. Die historischen Schiffe sorgten für ein nostalgisches Bild und verliehen dem Geburtstag besonderes Flair, maritimes Ambiente und erinnerten zugleich an die frühere Schifffahrt auf den Kanälen. Besonderer Anziehungspunkt war die „Famlietrouw“ aus Holland. Sie hatte nicht nur Torf geladen, sondern auf der „alten Dame“ demonstrierten die Mitglieder des Fluss- und Kanalschiffervereins Elisabethfehn und Umgebung, wie mühsam früher die Torfarbeit war.
„Wer heute Elisabethfehn besucht, kann sich nicht vorstellen, das sich hier noch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ein riesiges Hochmoorgebiet ausgebreitet hat“, blickte Cloppenburgs Landrat Hans Eveslage in seiner Festrede auf diese Zeit zurück. Urgroßeltern, Großeltern und Eltern der heute hier lebenden Menschen hätten in mühevoller Arbeit aus dem großen Ostermoor eine fruchtbare Landschaft geschaffen und ein blühendes Gemeinwesen entwickelt. Man müsse „den Mut der ersten Siedler bewundern, die hier im Moor eine Perspektive zur Sicherung des Lebensunterhaltes für ihr kinderreichen Familien gesucht haben“, fuhr Eveslage fort. Der Kanal sei von Anfang an die Lebensader für Elisabethfehn gewesen. Dank der Initiative des Orts- und Verschönerungsvereines (OVE) gebe es den Kanal noch. Er sei ein einzigartiges Denkmal, so Eveslage.
„Gerade die Zusammenarbeit der vier christlichen Kirchengemeinden unterschiedlicher Konfessionen, die dokumentiert wird in der Brücke, ist Vorbild und Wegbereiter für ein friedliches Zusammenleben und harmonisches Zusammenarbeiten am Elisabethfehnkanal“, überbrachte die stellvertretende Bürgermeisterin Agnes Lamping die Grüße der Gemeinde Barßel. Die Offenheit gegenüber Neubürgern und das Bewusstsein, dass man gemeinsam mehr erreichen kann als alleine, sei in Elisabethfehn lebendig geblieben und sei unverzichtbarer Teil des Erfolgs der Menschen am Kanal, meinte Lamping.
„Elisabethfehn ist ein Paradies, das wir schätzen“, betonte Dr. Gustav Schünemann in seinem Rückblick auf die 125 Jahre Ortsentwicklung, wobei er den Schwerpunkt auf das letzte Vierteljahrhundert legte. Alles ist dokumentiert in der zeitgleich im Museum laufenden Sonderausstellung „100plus25“. Musikalisch umrahmte den Festakt der Chor „Stimmbrand“.
Ein volles Haus meldete Vorsitzender Walter Neddermann beim Konzert mit der Big-Band Bösel. Bei strahlendem Sonnenschein gab es am Sonntagnachmittag den Familientag, der mit einem ökumenischen Gottesdienst im Festzelt begann. Zünftig war auch der Frühschoppen, der vom Shanty-Chor aus Barßel begleitet wurde. Viel Spaß, Spiel und Unterhaltung wurde den Gästen mit Theater, Gesang, Sketche und Tanzvorführungen geboten. So gab die Grundschule gab Einblicke in die „Altdeutsche Schrift“.
Den Abschluss der 125- Jahr-Feier bildete das Theaterstück „Lilli Marleen“ der Laienschauspieler aus Elisbethfehn. Ganz nebenbei flimmerte das Jubiläumfest auch bei „Hallo up Platt“ live über den Bildschirm.
