ELMELOH - Paukenschlag aus der Landeshauptstadt: Mit heftigen Vorwürfen gegen den Vorstand Jörg Emken „garniert“, hat das Diakonische Werk der Hannoverschen Landeskirche den Verein „Evangelisch-Lutherisches Wichernstift“ mit sofortiger Wirkung hinausgeworfen. „Der Vereinsvorstand hat dem Ansehen von Kirche und Diakonie in der Öffentlichkeit geschadet“, betonte der stellvertretende Direktor Jörg Antoine – während Jörg Emken diese Vorwürfe energisch als „falsch“ zurückwies: „Es ist schade, dass Antoine kritiklos übernimmt, was aus einer anderen Ecke kommt.“
Immer wieder Negatives
In den vergangenen Monaten sei das Wichernstift immer wieder in die Negativschlagzeilen geraten, begründete Antoine den drastischen Schritt, der für das Diakonisches Werk Hannover ein Novum ist. So habe Emken versucht, mit Einzelverträgen die Löhne im Wichernstift-Altenpflegeheim zu drücken, um so eine Insolvenz zu vermeiden. Als einige Mitarbeiter dies verweigerten, habe Emken deren Namen in öffentlichen Listen aushängen lassen.
Jetzt, da das Heim erneut von Insolvenz bedroht ist, habe Emken 60 Heimbewohnern ohne eine angemessene Frist den Heimplatz gekündigt. Die betroffenen alten Menschen müssten nun noch vor Weihnachten ein neues Heim finden.
Für den Ausschluss sieht Antoine auch formale Gründe. Der Verein sei von einer Tochterfirma verwaltet worden, die schon lange nicht mehr der Kirche angehöre. Das sei mit der Satzung der Diakonie nicht vereinbar. Erschwerend komme zu alldem der Verdacht hinzu, dass Emken den Betrieb allmählich zu einem Familienunternehmen mache, wichtige Posten seien mit Freunden und Verwandten besetzt worden.
„Falsche Vorwürfe“
Der Vereinsvorstand selbst bedauerte, dass es von Seiten des Diakonisches Werkes Hannover „ständig falsche Vorwürfe“ gebe. So auch diesmal: Nicht er, Emken, habe den 60 Heimbewohnern gekündigt – vielmehr sei das der vom Amtsgericht Delmenhorst eingesetzte vorläufige Insolvenzverwalter Berend Böhme gewesen. Er selbst habe keinen Einfluss darauf gehabt, wem wann welcher Heimplatz gekündigt wurde.
Es sei auch falsch, dass er, Emken, die genannte Mitarbeiterliste ausgehängt habe. Als „dumme Gerüchte“ bezeichnete er die Verdächtigung, er wolle ein „Familienunternehmen“ installieren.
Der Verein „Evangelisch-lutherisches Wichernstift“ sei seit mehr als 60 Jahren Mitglied des Diakonischen Werkes Hannover und wolle das auch bleiben – zumal eine Trennung ungewollte Rechtsfolgen nach sich zöge. So sei der Verein (zum Beispiel wegen der Michaelisgemeinde) auch finanziell mit dem Landeskirchenamt Hannover und damit dem Diakonischen Werk Hannover verbunden.
Der Verein sei im Übrigen durchaus noch nicht ausgeschlossen, verwies Emken auf mögliche Rechtsmittel gegen den Rauswurf.
