ELMELOH - Die Kontaktaufnahme ist gelungen. Sieben Jugendliche der Wichern-Schule, einer Förderschule für soziale und emotionale Entwicklung, deren Art der Kontaktaufnahme schon so oft an der Ablehnung durch das Gegenüber oder auch am eigenen Übermut gescheitert ist, haben neue Freunde gewonnen. Im Tanzen haben die Jungen eine gemeinsame Basis mit Schülerinnen – Gymnasiastinnen übrigens – aus Syke gefunden, mit denen sie regelmäßig über eine Internetplattform kommunizieren.
Die Jungen sind Teil eines integrativen und generationenübergreifenden Tanz- und Bewegungstheaterprojekts, bei dem im März 100 Schüler aller Schulformen, behinderte Menschen und eine Landfrauen-Tanzgruppe gemeinsam mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen in Syke auf der Bühne standen. Fast ein halbes Jahr lang hatte der Choreograph und künstlerische Leiter des Projekts, Alexander Hauer, mit den beteiligten Gruppen einzeln geprobt, bis schließlich in Gesamtproben der „KonTakt“ – so der Name der einmaligen Aufführung – hergestellt wurde.
„Am Anfang waren wir Außenseiter“, beschreibt der 14-jährige Alessandro das erste Aufeinandertreffen mit den übrigen Beteiligten, „jetzt sind wir voll integriert!“ Nicht nur die Förderschüler hatten sich mit Vorurteilen auseinander zu setzen. Auch sie selbst hätten etwa in den Landfrauen zunächst nur „alte Omis“ gesehen, berichten die Zwölf- bis 16-Jährigen. Der Tod einer der Frauen während der Endphase der Proben hat die Jungen gleichwohl sehr bewegt – irgendeine „Omi“ war die 80-Jährige da längst nicht mehr für sie.
Wenn Lehrer Reinhard Blank, der das Projekt gemeinsam mit Kollegin Nadja Czech schulintern betreut hat, an die Aufführung zurückdenkt, gerät er ins Schwärmen. „Ich habe 60 Minuten lang geheult“, gibt der Pädagoge zu. Die vielen disziplinarischen Schwierigkeiten mit der Gruppe, die noch kurz zuvor in der Probenarbeit bestanden hätten, seien vergessen gewesen. Eine Menge Energie und nicht zuletzt auch 150 Stunden Freizeit hat Blank für „KonTakt“ investiert – längst nicht alle davon vergütet – und trotzdem würde er es „sofort wieder“ machen, wie er begeistert sagt.
Auch knapp zwei Monate nach der Aufführung zehren die Wichern-Schüler noch vom Erlebten – erinnern sich an das Fußball-Spielen mit Orchestermusikern während der Probenpausen, an die intensive Arbeit mit dem Choreographen. „KonTakt“ bleibt auch nach Abschluss des Projekts eine Aufgabe für alle Beteiligten: An diesem Freitag treffen Tänzer und Musiker in Bremen erstmals seit der Aufführung wieder zusammen.
