ELMELOH - Schwere Vorwürfe gegen den Verwaltungsrat des evangelisch-lutherischen Wichernstiftes hat die Mitarbeitervertretung erhoben. Das Aufsichtsgremium habe Vorstand Jörg Emken im Zusammenhang mit dem Insolvenzverfahren aus unerklärlichen Gründen völlig freie Hand gelassen. Es gehe nicht nur um mehr als 100 Arbeitsplätze, sondern auch um das Ansehen der Diakonie, heißt es in einem Offenen Brief, den der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft der Mitarbeitervertretungen in den Diakonischen Werken Niedersachsens, Manfred Freyermuth, an den Vorsitzenden des Wichernstift-Verwaltungsrates, Klaus Schramm, gerichtet hat.
Weder auf die Bitte der Mitarbeitervertretung um Unterstützung noch auf deren konkreten Vorschlag für eine kirchengemäße Lösung habe es eine Reaktion gegeben, bemängelt Freyermuth. Sogar der stellvertretende Direktor des Diakonischen Werks der Landeskirche Hannover, Dr. Jörg Antoine, habe die Insolvenz und die anschließende Ausgliederung des Altenpflegeheims aus der Diakonie mit entsprechenden Lohnkürzungen als massiv schädlich für das Ansehen der Diakonie bezeichnet.
Die Belegschaft sei bereit gewesen, eine Notlagenregelung nach kirchlichem Recht mit entsprechendem Lohnverzicht zu akzeptieren. Außerdem sei eine Beteiligung der Mitarbeiter an der Altenhilfe GmbH angeboten worden. Der Verwaltungsrat habe aber „den Handlungsspielraum des Insolvenzverwalters gegen die Interessen der Diakonie eingeschränkt“ und nur Emken favorisiert. „Besinnen Sie sich und handeln Sie so, wie es dem christlichen Selbstverständnis entspricht“, heißt es abschließend.
Der Verwaltungsrat hatte zum Start der neuen Trägergesellschaft fürs Altenpflegeheim Anfang dieses Monats festgestellt, das von Jörn Emken vorgelegte Zahlenmaterial sei von verschiedenen Wirtschaftsprüfern bestätigt worden. Die Refinanzierung der Kosten sei trotz erhöhter Pflegesätze in den letzten Jahren nicht möglich gewesen. Aus diesem Grund habe es keine andere Möglichkeit als Lohnsenkung gegeben.
