Elsfleth - „Endlich besitze ich ein Buddelschiff!“ Das Modell des Elsflether Segelschulschiffs „Großherzogin Elisabeth“ war für den Bischof der evangelisch-lutherischen Kirche Oldenburgs, Jan Janssen, ein würdiges Geschenk, das der neue Vorsitzende des Nautischen Vereins Niedersachsen, Gerd Bielefeld, dem Bischof nach dessen Festrede beim 39. Nautischen Essen des Nautischen Vereins Niedersachsen in der Stadthalle überreichte.

Zum Thema „Biblische Seefahrt“ hatte Janssen den Bogen vom Anfang der Schöpfung über Aspekte der Seefahrt in den verschiedenen Büchern der Bibel bis hin zum ersten Seereisebericht aus der Geschichte der ersten Christenheit geschlagen. Janssen: „Der Bericht vom Unterwegssein des Apostel Paulus und seinen Freunden über das Mittelmeer liest sich wie ein Logbuch, das zur Ausbreitung des christlichen Glaubens über das Mittelmeer hinweg bis nach Europa beigetragen hat.“ In der Bibel nimmt der Schiffbruch des Paulus ein unverhofft gutes Ende, 276 Menschen waren an Bord, und alle konnten sich an Land retten. Jener biblische Bericht mache Hoffnung und schenke neues Vertrauen, so Janssen, der Glaube an Gott, den Schöpfer, nehme die Nöte der Menschen auf.

Bevor der Bischof mit den Gästen durch das Buch der Bücher segelte, andockte, neue Ladung aufnahm und erneut in See stach, rechnete er mit der Aussage des Schweizer Theologen Karl Barth ab. Der hatte behauptet, die Nordlichter hätten so wenig Ahnung von Theologie, weil sie nicht wüssten, was eine Gratwanderung ist. Janssen: „Gerade im Küstenland wissen wir, was Theologie ist, weil hier niemand auf einen hohen Berg hinauf muss. Hier kann man – theologisch verstanden – gut sehen, dass der Himmel auf die Erde herabgekommen ist und niemand hinauf muss!“

Begonnen hatte das traditionelle Essen in der Stadthalle nach der Begrüßung durch Gerd Bielefeld musikalisch: der Visurgen-Shanty-Chor unter der Leitung von Andreas Stasierowski stimmte die 370 mit vier Shanties auf die nautische Schiene ein. Den Reigen der Grußworte eröffnete Elsfleths Bürgermeisterin Brigitte Fuchs. Sie gab ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die seit neun Jahren währende Schifffahrtskrise bald durchschritten werden könnte und die Branche in zwei Jahren wieder in „normales Fahrwasser“ gelange.

In der Wesermarsch sei man sich bewusst, dass die Schifffahrt und das Element Wasser das Leben und Arbeiten im Landkreis beeinflussen, war sich der stellvertretende Landrat Dieter Kohlmann sicher. Oberste Priorität sei auch dem Erhalt der Deiche einzuräumen, sagte Kohlmann an die Adresse der vor Ort anwesenden niedersächsischen Landespolitiker. Die Generalsekretärin der Deutschen Seemannsmission, Heike Proske, erinnerte daran, dass dem jüngst verstorbenen und ehemaligen Vorsitzenden des NVN, Kapitän Horst Werner Janssen, im Jahr 2009 für seine Verdienste um die Seemannsmission der Ehrenpreis verliehen wurde. Frank Wessels, Vorsitzender des Deutschen Nautischen Vereins, legte sein Augenmerk auf die aktuelle Arbeit des DNV und Zukunftsperspektiven des Schifffahrtsstandorts Deutschland.

Abschließend umriss der Dekan des Fachbereichs Seefahrt und Logistik, Prof. Dr. Ralf Wandelt, den „Status Quo“ der Ausbildungsstätte. Insbesondere ging der Dekan auf das Erfolgsmodell „International Maritime Management“ ein.

Dem Fernstudium mit seinem innovativen didaktischen Konzept sei ein erfolgreicher Start beschieden, so Wandelt, 93 Personen hätten sich in diesen Studiengang immatrikuliert. Im Übrigen versäumte keiner der Redner, noch einmal das Engagement des Elsflether Kapitäns Horst Werner Janssen wertzuschätzen und in Erinnerung zu rufen. Als Förderer und als Reeder habe Janssen in Elsfleth Maßstäbe gesetzt.