ELSFLETH - Der kanadische Taxifahrer schüttelt den Kopf, als er das umfangreiche Gepäck seiner drei Fahrgäste verladen soll: „Crazy old ladies!“ Die drei „verrückten älteren Damen“ kann das nicht erschüttern, sie stehen im kanadischen Territorium Yukon vor ihrem größten Abenteuer: mit dem Paddelboot auf dem Yukon-River durch die Wildnis Kanadas. Wie die Paddeltour auf dem fünftlängsten Fluss des nordamerikanischen Kontinents verlief, berichteten Carla Frenzel und Hildegard Ketzenberg-Brütt am Sonnabend ihren Gästen im Elsflether Heye-Saal.

Während Elke Ellwanger (sie war beim Vortrag nicht anwesend) und Carla Frenzel bereits ihre Erfahrungen im Yukon-Gebiet gemacht hatten, war Hildegard Ketzenberg-Brütt der Neuling im Damen-Trio. „Mir sagte man, es sei das Einfachste von der Welt, im August sei das Wetter nur schön – wir haben es dann ganz anders erlebt“, berichtete der „Neuling“.

Fest stand zu Beginn des Abenteuers, die Männer zu Hause zu lassen: „Die hetzen immer so!“ Im Sommer 2008 packten die drei 70-Jährigen also ihre Ausrüstung, Verpflegung für vier bis sechs Wochen, drei Faltboote und drei Zelte zusammen und starteten im kanadischen Whitehorse: 210 Jahre auf dem Yukon.

Weite Landschaft, karge Tundra und dunkle Wälder, Wasserfälle und Stromschnellen: damit mussten sich die „crazy old ladies“ in den nächsten Wochen auseinander setzen – und sie genossen jede Minute in der ursprünglichen und einsamen Landschaft. „Man fühlt sich ganz klein als Mensch!“

Herausgefordert wurde das Trio durch extremes Hochwasser mit starker Strömung, das ein Anlegen an Land oft unmöglich machte. Aber sie fanden auch vorbereitete Camps, romantische Zeltplätze und verlassene Indianersiedlungen. Sie backten jeden Morgen ihre Pfannkuchen, aßen Müsli zu Mittag und weichten morgens die Trockenkartoffeln fürs Abendessen ein.

Die größte Herausforderung aber waren die reißenden Stromschnellen. Carla Frenzel: „Man hört sie, bevor man sie sieht. Ehe man sich besinnt, wird man durchgerissen, da hilft kein Denken mehr, man muss handeln und paddeln.“

Irgendwann wurde die Paddeltour zwar nicht das Einfachste auf der Welt, wohl aber das schönste, was sich die Abenteuerinnen vorstellen können: „Nach rund zwei Wochen stellt sich eine unheimliche Ruhe und Gelassenheit ein.“

Eingeladen zum Dia-Vortrag und Frühstück hatte die Leiterin des Kinder- und Familienservice-Büros, Waltraut Ralle-Klein.