Elsfleth-Hogenkamp - „Unsere Erwartungen wurden übertroffen. Wir haben einen größeren Graben und einen Brunnen entdeckt. Dazu jede Menge Pfostenlöcher und das Skelett einer Kuh.“ Jonas Enzmann, Grabungsleiter der archäologischen Ausgrabungen Elsfleth-Hogenkamp, ist zufrieden und gespannt zugleich: Denn die Auswertung der Funde wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Hervorragende Funde

Fest steht allerdings, dass nur noch bis Ende September in Elsfeth-Hogenkamp gegraben wird. Und interessierte Bürger haben am Mittwoch, 20. September, von 16 bis 17 Uhr die letzte Chance, sich noch einmal ein Bild von den Schnitten direkt an der Bundesstraße 212 zu machen.

Rückblick: Auf den Spuren unserer Vorfahren wandelt ein 15-köpfiges Team von Archäologen des Niedersächsischen Instituts für historische Küstenforschung seit diesem Sommer im Bereich Elsfleth- Hogenkamp. Sie setzen die archäologischen Ausgrabungen und Forschungen über den „kaiser- bis völkerwanderungszeitlichen Ufermarkt“ fort.

Neue Erkenntnisse

Denn während der ersten Jahrtausende nach Christus bildeten Wasserstraßen wichtige Kommunikationswege für den überregionalen Warenaustausch. „Besonders der nordwestdeutsche Raum zwischen Weser und Ems erbrachte in den vergangenen Jahren neue Forschungserkenntnisse in Bezug auf die Austauschsysteme der römischen Kaiserzeit und Völkerwanderungszeit“, betont Janna Kordowski, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Gespräch mit der NWZ.

Hölzerne Befestigung

Der seit dem Ende des 19. Jahrhunderts bekannte Platz ist gekennzeichnet durch hervorragende Erhaltungsbedingungen für organische Materialien. Wichtigster Befund ist eine hölzerne Uferrandbefestigung, die von den Archäologen in die römische Kaiserzeit datiert werden konnte. Mit Hilfe von Ausgrabungen und Sondierungen konnten Daten über die Struktur und die Bebauung der Siedlung gewonnen werden. Allein in diesem Sommer haben die Forscher zudem Schlackefunde von rund 15 Kilogramm gemacht.

Ergänzend waren zuvor auch benachbarte Fundstellen mit in die Untersuchung einbezogen worden. Dabei waren die Siedlungsplätze Schlüte/Berne und Huntebrück/Wührden von großer Bedeutung. Durch einen überregional angelegten Vergleich soll weiterhin die Bedeutung des Huntemündungsbereichs für den Warenaustausch der Germanen Nordwestdeutschlands rekonstruiert werden.

Wichtiger Ufermarkt

Das Fundspektrum am Hogenkamp spiegelt nicht nur eine Nutzung während des 1. Jahrtausends nach Christus wieder, sondern deutet durch Qualität und Quantität auf eine besondere Funktion als Ufermarkt.

Der Prozess der Aufarbeitung der Funde wird dauern. „Es werden nach dem Stand der Dinge dazu zwei weitere Dissertationen angefertigt“, sagt Enzmann.

Hans-Carl Bokelmann
Hans-Carl Bokelmann Redaktion Brake, Redaktion Jade, Redaktion Ovelgönne