ELSFLETH - In Wien stirbt man anders. Zum Beweis brachte die Vorsitzende des Vereins zur Förderung von Kultur- und Seniorenarbeit, Renate Detje, ein Beispiel: „Fragt einer: „Weißt wer gstorben ist?“ Antwortet der andere: „Egal, mir ist jeder recht.“
So eingestimmt konnten die Protagonisten des Abends, die Wienerin Martha Pfaffeneder und der Berliner Jens-Karsten Stoll, die Zuhörer des voll besetzten Heye-Saales in ihr musikalisches Kabarett-Programm „An der schönen schwarzen Donau“ mitnehmen. Und das Publikum lernte schnell, dass nur die Wiener eine Oper haben, einen heurigen Wein und dass der liebe Gott selbstverständlich ein Wiener ist. Bei so viel Wiener Schmäh musste Stoll, der Martha Pfaffeneder als kongenialer Partner am Klavier begleitete, eingreifen und so forderte er „Rattengift her“. Mit dem Rattengift ging es dann auch gleich nach Manier des Kabarettisten, Liedermachers und Poeten Georg Kreisler zum „Tauben vergiften“ in den Park. Wie ihm gelang bisher keinem die künstlerische Umsetzung dieser Mischung aus Lebenslust und Todesseligkeit.
Kein Wunder also, dass acht seiner Lieder an diesem Abend zu hören waren. „Es ist ein Glück als Wienerin geboren zu werden und als solche zu sterben“, hauchte Pfaffeneder ins Mikrofon. „Die Frage ist nur, was macht man dazwischen?“, stichelte wieder der „bekennende“ Wien Hasser am Klavier.
Nach den Benutzungsvorschriften für die Wiener Staatsoper und das Burgtheater: „Das Sterben des Publikums ist unerwünscht. Gestorben wird auf der Bühne“, erfuhr das Publikum etwas über den ausgestorbenen Beruf der Engelmacherin: „So manchem Mädel, das in Not war und vor Angst und Scham halb Tod war, hat gerettet sie die Ehr‘.“
Der Pianist kann es nicht lassen, der charmanten Martha Pfaffeneder, die aus vollem Herzen eine überzeugte Wienerin ist, in die Suppe zu spucken. So fordert Jens-Karsten Stoll die Änderung des Dialektes und ein Verbot der Fortpflanzung für alle Österreicher. „Vor dem Herrgott gelten nur die Berliner. Vielleicht noch die Elsflether, dass wars dann aber auch“, sagt er. Da wundert es keinen mehr, dass als Retourkutsche „Bidla Buh“ erklingt.
Meinte Martha Pfaffeneder wirklich Lothar mit der Engelsmiene, den sie auf die D-Zugschienen legte und war es wirklich Kai, der seinen Lebenswandel schloss, weil ihn ein Eisenstangerl traf? Dazwischen servierten Martha Pfaffeneder und Jens-Karsten Stoll Texte von Wolfgang Ambros, Hugo Wiener, Ludwig Hirsch und anderen.
