ELSFLETH - ELSFLETH - Mit seiner Troika fährt ein Fischer zu seiner Nachbarin, im Gepäck hat er einen stattlichen selbst gefangenen Zander. Eine Fischsuppe soll die Schöne daraus kochen, ein paar Wodkachen trinken und ihren Liebsten mit einem Kuss belohnen. Weniger gut haben es zwei Brüder aus einem Dorf, die ins große St. Petersburg fahren, um ein Boot zu kaufen. Als sie auf der Newa heimwärts staken, sinkt der löcherige Kahn und mit ihm seine Insassen – auch hier wird wohl der Kartoffelschnaps mit im Spiel gewesen sein.

Diese und andere Geschichten kann man erzählen, man kann sie aber auch singen. Und wie die sechs Sänger des St. Petersburger Vokalensembles „Harmonie“ die russischen Anekdötchen in Musik umsetzen, wie sie nach Noten in allen Tonlagen in rhythmisches Gelächter ausbrechen, das muss man gehört haben. Heimatverbundenheit, die Liebe zur Natur und die Liebe an und für sich, Heimweh und Herzeleid, Lebensfreude und Melancholie – das sind die Facetten der russischen Folklore. Das Ensemble präsentiert die bunte Mischung mit einer enormen stimmlichen Bandbreite, gesanglicher Präzision und einem überwältigenden Klangspektrum.

Bereits zum drittem Mal hatten die Freunde russischer Chormusik in der St. Nicolai-Kirche die Gelegenheit, ein Konzert der Petersburger Sänger, die in abwechselnden Formationen auftreten, zu genießen. Die Tenöre Stanislav Mostovoi und Boris Karandassov, Counter-Tenor Alexander Gorbatenko, Bariton Jouri Stepanov und die Bässe Ilia Mikhailenko und Alexander Andrianov überzeugten mit ihrer Ensembleleistung, besonders aber mit ihren zahlreichen solistischen Vorträgen. Der erste Part des Konzerts war den geistlichen Gesängen aus der russisch-orthodoxen Liturgie gewidmet, der zweite Konzertteil mit Liedern aus dem Volk endete mit rhythmisch vom Publikum erklatschten Zugaben, dann hieß zum Abschied ganz zart hingehaucht: „Guten Abend, gute Nacht!“