Elsfleth - Zu Gast am Freitagabend in der Elsflether St.-Nicolai-Kirche: drei Musiker, jeder von ihnen ein Meister seines Fachs. Das Repertoire des Trios „ChoRaLis“: drei musikalische Blöcke. Der erste mit Stücken zeitgenössischer Komponisten, dazwischen verschiedene Variationen des Luther-Chorals „Ein feste Burg ist unser Gott“ und im dritten Teil acht vertonte Sequenzen zu Miguel Cervantes ritterlichem Schelmenroman „Don Quijote von der Mancha“.
Seinen Zuhörern verlangte das Trio mit seinem Repertoire Offenheit für ungewohnte Kompositionen ab. Und auch das Zusammenspiel zweier Gitarren und Orgel war in der St.-Nicolai-Kirche eine Premiere. Die Gitarristen Erich A. Radke und Gerhard Koch Darkow sowie Gabriel Isenberg an der Orgel hatten an diesem Abend keine gefälligen oder eingängigen Noten im Gepäck, auch waren die Stücke der Komponisten Andreas Willscher, André Isoir und John Rutter den Konzertbesuchern eher fremd, aber das Zuhören lohnte sich auf jeden Fall. Wann hat man schon auf der ehrwürdigen St.-Nicolai-Orgel, gebaut im Jahr 1836, eine Rumba, einen Tango oder eine temperamentvolle Ungaresca zu hören bekommen? Eben ein „Elsfleth Special“, wie es Organist Gabriel Isenberg erläuterte.
Die „Sechs Stücke für Gitarre und Orgel“ von Andreas Willscher starten mit einem „Lamento“, kein Zorngeschrei, sondern ein getragener Trauergesang, der in Part IV mit einem Augenzwinkern näher erklärt wird: Trauermarsch für einen vergossenen Rotwein. Wie viele Gläser Willscher vor der Komposition davon bereits vernascht hatte, wurde nicht klar. Wohl aber, dass der nächste Part ihn zum temperamentvollen „B-olé-ro“ rotweinig inspirierte und den Komponisten schließlich im „Nocturne“ sanft entschlummern ließ.
Eine Hommage an das Lutherjahr: In den Variationen begegneten sich Konzertgitarre, Flöten, E-Gitarre und Orgel und auch Gesang. Den Höhepunkt des Konzerts „Don Quichote von der Mancha“ meisterten die beiden Gitarristen mit Bravour, Gabriel Isenberg erläuterte den Handlungsstrang des „Ritters von der traurigen Gestalt.“ Don Quijote, Sancho Pansa, Dulcinea und Rosinante wurden schon von unzähligen Komponisten verewigt, in Opern und Schauspielen, Filmen und Musicals am Leben erhalten – in diese exquisite Riege konnten sich die beiden Gitarristen virtuos einreihen. Viel Applaus für ein Konzert der besonderen Art.
