ELSFLETH - Wer oder was spielt im Leben eines Seemanns die wichtigste Rolle: das Meer, das Schiff, der Reeder oder die Häfen in aller Welt? Peter Michael Luserke, der selber 36 Jahre zur See fuhr, ist zu der Erkenntnis gekommen: das Wichtigste im Leben der Seeleute sind ihre Frauen oder Freundinnen. So hat der Ex-Kapitän, der seinerzeit in Elsfleth die Schiffsjungenausbildung durchlief, dreizehn Seemannsfrauen befragt und sie gebeten, ihre ganz persönlichen Erlebnisse und Empfindungen als Mitfahrerinnen an Bord, als Daheimgebliebene und immer wartenden, stets flexiblen „bessere Hälften“ aufzuschreiben. Und weil die Zahl „Dreizehn“ in allen Titeln seiner bisher veröffentlichten Erzählbände eine Rolle spielt, heißt sein jetzt im Verlag Einundsiebzig erschienenes Buch: „Dreizehn Seemannsfrauen erzählen“.
Luserke: „Sie erzählen von den Schwierigkeiten, die zu meistern waren, von den langen Trennungen, von der alleinigen Verantwortung für die Kinder. Sie hielten ihren Männern den Rücken frei, damit die ihren Job machen konnten, immer in der Gewissheit, zu Hause läuft alles seinen Gang.“ Die Geschichten, die Luserke sammelte, zeigten aber auch, vor dem Mauerfall war Seefahrt West nicht gleich Seefahrt Ost. Astrid Schmidt, gebürtig aus Güstrow und heute freie Journalistin, beschreibt die Kriterien, mit denen sich eine Seemannsfrau in der damaligen DDR auseinander setzen musste: „Eine Frau, die ihren Ehemann auf einer Seereise begleiten wollte, musste mindestens 27 Jahre alt sein, die Familie musste Kinder haben, deren Verbleib nachprüfbar geregelt sein musste.“ Nach endlosem Behördenkrieg durfte Astrid Schmidt im Jahr 1989 endlich ihren Ehemann nach Westafrika auf der MS „Sonneberg“ begleiten. Dass das gute Einvernehmen mit zwei weiteren mitreisenden Frau leichte Schlagseite bekam, lag am
Funker, einen echten „Womanizer“, groß, schlank und braungebrannt. Ein Jahr nach der Wende outete sich der Funker als informeller Mitarbeiter der Stasi.
Zu Beginn der 90er Jahre begann die Männerdomäne „Seefahrt“ zu bröckeln, immer mehr junge Frauen stehen seitdem als Schiffsmechanikerinnen, Schiffbetriebsoffiziere oder als Kapitäninnen „ihren Mann“. Und auch sie lässt Luserke zu Wort kommen. Alexandra Pohl, gebürtige Bremerin, fuhr nach ihrem Studium drei Jahre als Schiffsbetriebsoffizierin bei Hapag-Lloyd und danach drei Jahre als leitende erste Offizierin bei der TT-Line auf der „Nils Holgersson“. Fazit: vielleicht lösen in der nächsten Zukunft die mitreisenden Seefrauenmänner die mitreisenden Seemannsfrauen ab?
Luserke beim swe
