Elsfleth - Auf Einladung des Elsflether Kulturvereins hatten im Mai des vergangenen Jahres zwei wissenschaftliche Mitarbeiter des Niedersächsischen Instituts für historische Küstenforschung (Wilhelmshaven) über die Ausgrabungen auf dem Feld in Hogenkamp berichtet. Nun informierten die Archäologin Saryn Schlotfeldt und der Geograph Andreas Folkers die Mitglieder des Nautischen Vereins Niedersachsen im Restaurant „Kogge“ über den aktuellen Stand des Forschungsprojekts „Elsfleth-Hogenkamp – ein kaiser- bis völkergeschichtlicher Ufermarkt an der Huntemündung“.

Dass auf diesem Areal – an der Bundesstraße 212 gelegen – historische Artefakte zu finden waren, hatte in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts bereits der Pionier der Marschenforschung, Heinrich Schütte (1863-1939), nachgewiesen. Seit 1998 wurden bei regelmäßigen Detektorbegehungen römische Münzen, Keramiken, Glasperlen und Militaria gefunden. Bekannt war, dass die Verteilung römischer Importgüter im ersten bis zweiten Jahrhundert n. Chr. über die Wasserwege im nördlichen Germanien stattfand. Hotspot des Warenaustauschs waren zumeist die Mündungen der Flüsse, wie in Elsfleth die Hunte, an deren damaligen Priel sich im Gebiet Hogenkamp ein Handelsplatz befand.

„Die Funde dokumentieren eine Handelskontinuität bis ins 6. Jahrhundert n. Chr.“, interpretierte Saryn Schlotfeldt die Forschungsarbeiten der vergangenen Jahre, „beispielsweise haben wir auf den Oberflächen des kartierten Ackers an einem Tag fast 30 000 Funde geortet, auch Metallfunde von herausragender Qualität. Daraus kann man ableiten, dass es dort eine Buntmetallverarbeitung und andere Handwerksstätten gegeben hat.“ Untersucht werden die Artefakte derzeit im Deutschen Bergbau-Museum in Bochum. Eines der Ziele der Forschungsarbeiten: man will herausfinden, ob dort Wohngebäude nur saisonal oder auch dauerhaft etabliert waren.

Zwei Untersuchungskampagnen wurden in 2016 und 2017 durchgeführt und Kulturschichten bis 1,20 Meter unter der Oberfläche untersucht. Entdeckt wurde unter anderem eine Brunnenstruktur, die aufgrund des festen Kleibodens ohne Stabilisation durch Holzpfähle auskam. In 2017 wurden im Buntmetallbereich ein Rinderskelett und Schmelzherdfragmente gefunden. Neben Bernsteinwürfeln fand man unter den 200 Fragmenten Gusstiegel, an denen Spuren von Gold und Silber hafteten. Auch habe man Hinweise auf ein Brandereignis festgestellt, sagte Saryn Schlotfeldt.

Den Aufbau der Bodenschichten erläuterte Geograph Andreas Folkers. Er unterstützte die Grabungen mit geomagnetischen Sondierungen zur Erforschung und Rekonstruktion der Paläolandschaft. Nach rund 230 Bohrungen in zwei bis vier Metern Tiefe war die damalige Oberflächensituation zu rekonstruieren und die Siedlungsschwerpunkte konnten geortet werden. Auf die Frage, wie die Forschungen fortgesetzt würden, sagten die Wissenschaftler: „Zurzeit ist Labor- und Büroarbeit angesagt. Es steht noch nicht fest, ob der Hogenkamp-Handelsplatz sich zu einer festen Siedlung entwickelte – aber das wird weiter erforscht!“