ELSFLETH - Nein, ein Held wollte Frederik Euskirchen, der Offizier der Handelsmarine, nie sein, als er im August des Jahres 2009 von Journalisten aus der ganzen Welt interviewt wurde und im TV-Studio von Günther Jauch erzählte, wie es war, vier Monate in der Hand der Seeräuber von Somalia zu sein.
Die Freibeuter terrorisieren seit Jahren Frachtschiffe im Golf von Aden, entführten seitdem mehr als zwei Dutzend Schiffe und haben aus dem schmutzigen Spiel mit Gewalt, Morddrohung und Lösegeld ein lukratives Millionengeschäft entwickelt. Frederik Euskirchen, den alle in Elsfleth während seines Studiums an der Seefahrtschule nur Freddy nannten, war trotz aller Bescheidenheit der entscheidende Mann, der besonnen erreichte, dass die Piraten vier Monate nach der Entführung des Hamburger Frachters Hansa Stavanger das Schiff am 4. August 2009 endlich freigaben kurz vor Ostern 2009, am 4. April, wurde das Schiff gekapert.
Das war natürlich eine bedrückende Zeit, es war eine Zeit mit Todesangst und vielen Stunden voller Aussichtslosigkeit. Aber ich wusste immer, dass ich überlebe. Ich wollte auch überleben, erinnert sich der heute 29-Jährige an die Zeit damals.
Vor wenigen Tagen ist Frederik Euskirchen nach vielen Monaten auf See bei seinen Eltern im Rheinland angekommen. Ein Zwischenstopp, bevor er wieder in die Wesermarsch kommt, die viele Jahre lang sein zu Hause war.
Ich lebe seit zwei Jahren im Alten Land mit meiner Freundin. Im Mai erwarten wir unser Kind. Mein Leben hat sich sehr verändert, sagt Frederik Euskirchen, der mit seiner ruhigen Art den gesundheitlich angeschlagenen Kapitän vertreten musste, als es um Leben oder Tod der Besatzung der Hansa Stavanger ging in diesen schweren Monaten zwischen April und August des Jahres 2009. Den Überfall auf das Schiff, bei dem die Angreifer mit Panzerfäusten und Raketen auf das Schiff feuerten, beschreibt er in seinem Buch Die Entführung der Hansa Stavanger so unter die Haut gehend, als wäre es eben erst passiert.
Das, was an diesem 4. April 2009 passiert ist, bleibt natürlich für immer im Kopf, sagt er. Fast zwei Jahre hat er an seinem Buch geschrieben, manchmal auch an Bord. Denn Frederik Euskirchen ist ein halbes Jahr nach der Entführung des Frachters wieder zur See gefahren. Natürlich auch durch den Golf von Aden. Aber heute sind wir sicherer. Die Hansa India, auf der er als 1. Offizier fährt, nimmt auf der Strecke bewaffnete Sicherheitsleute mit.
