Elsfleth/Wesermarsch - Um Missverständnissen gleich vorzubeugen: Selbstverständlich haben José van Drie, Ute Cornelius und Heike Hayen noch alle Tassen im Schrank. Und das gilt auch für all die anderen Landfrauen in der Wesermarsch. Zumindest wenn man den Ausspruch als Umschreibung dessen nimmt, was man landläufig unter verrückt versteht.
Für Sonntag, 9. September, räumen zahlreiche Landfrauen ihre Schränke allerdings aus. Porzellan mit Geschichte(n) wird/werden dann im Mittelpunkt einer großen Ausstellung stehen, die die Kreislandfrauen planen. Ort des Geschehens wird das historische Anwesen der Familie Hayen in Elsfleth, Oberrege 26, sein. Geöffnet ist von 10.30 bis 17.30 Uhr.
Die bürgerliche Villa im Stil des Historismus’ aus dem Jahr 1896 bietet den würdevollen Rahmen für die Schau. Von Wilhelm Frels – Urgroßvater von Heike Hayen – erbaut, um seiner Zukünftigen aus dem Hause Battermann ein standesgemäßes Heim bieten zu können, wird sie heute von der vierten Generation bewohnt. Die Landwirtschaft ist mittlerweile aufgegeben, dem Landleben fühlt sich die Familie aber nach wie vor verbunden. Seit 2006 renovieren Heike und Henning Hayen das denkmalgeschützte Gebäude nach und nach.
Für die breite Öffentlichkeit wird die Öffnung am Tag des offenen Denkmals eine Premiere sein. Möglich sind Einblicke in den großzügigen Flur und ein Wohnzimmer, auf reich verzierte Wände und kunstvoll bemalte Decken. In der Gulfscheune richten die Landfrauen zudem eine Cafeteria ein. Die Ausstellungsstücke werden auf Tischen und Büffets eingedeckt und von den Organisatorinnen liebevoll geschmückt. Kleine Aufsteller sollen die wichtigsten Infos zur Geschichte des Porzellans liefern.
Zu sehen sein wird dann auch ein Kindergeschirr von José van Drie. Sie schätzt das Set, das einst ihrer niederländischen Schwiegermutter gehört hat, auf ein Alter von gut 80 Jahren. „Ich denke, dass es zwischen 1937 und 1940 gekauft wurde.“ Nahezu unbeschädigt und komplett ist das sechsteilige Service. Nur das Stövchen hat einen leichten Riss. Selbst ein Umzug der Schwiegermutter während des Zweiten Weltkrieges und der der jetzigen Eigentümerin aus den Niederlanden nach Kortendorf hat es überstanden. „Früher hat man solche Dinge mehr geschätzt als heute“, meint die Niederländerin auch einen Grund für die Langlebigkeit des Spielzeugs erkannt zu haben. Gleiches gilt für die Puppe der Oma, die mit an der Kaffeetafel Platz genommen hat. Lediglich eine kleine Kopfverletzung hat sie beim Spielen mal davongetragen; die konnte mit einem Pflaster aber schnell geheilt werden.
Heike Hayen wird ein Service ihrer Urgroßmutter Ute Cornelius zeigen, eines aus dem Jahr 1847. Andere Landfrauen haben schon weitere besondere Stücke angekündigt, darunter eine große Kaffeekanne für große Gesellschaften und chinesisches Porzellan, das zugleich Zeuge des Handels im 19. Jahrhundert ist, sowie weitere ausgefallene Stücke bäuerlicher Kultur. „Wohlgestellte Familien haben sich seinerzeit einiges an Luxus angeschafft“, weiß José van Drie und ist sich sicher, dass das auch für die Wesermarsch gilt.
Und weil alle drei Landfrauen glauben, dass „noch viele Schätze in Schränken schlummern“, dürfte einer reich bestückten Ausstellung nichts im Wege stehen. Wer noch Erlesenes in Vitrinen oder auf Dachböden hat, kann dieses noch für die Ausstellung zur Verfügung stellen. Dabei gilt allerdings: Aus Platzgründen sollten die Stücke zum Motto „alles rund um eine Kaffeetafel“ passen. Gesucht werden daher Tassen mit Untertassen, Kuchenteller, Gedecke, Kaffeekannen, Torten- und Kuchenplatten sowie Milch- und Zucker-Sets. Wer entsprechendes Porzellan beisteuern möchte, findet unter dem Punkt „Termine“ und 9. September auf der Internetseite www.landfrauen-wesermarsch.de ein Formular zum Anmelden.
