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Ausstellung in Kunsthalle Emden „Ein Bild der Zeit“ – Als Film und Kunst einander befruchteten

Birgit Denizel

Emden - Mit „Dr. Mabuse, der große Spieler – Ein Bild der Zeit“ schuf Filmemacher Fritz Lang 1922 sein erstes Meisterwerk. Sein Protagonist, Mabuse, ist ein Superverbrecher, der die junge Weimarer Republik ins Wanken zu bringen versucht. Mit unterschiedlichen Identitäten betreibt er politische Spionage und manipuliert die Börse. Der Untertitel des Thrillers hat der aktuellen Ausstellung in der Kunsthalle Emden ihren Namen gegeben.

„Mit ,Ein Bild der Zeit‘ ­lassen wir die Jahre von etwa 1905 bis 1925 wieder lebendig werden“, so die wissenschaft­liche Direktorin Lisa Felicitas Mattheis. „Wir fanden diesen Titel so sprechend für unsere Idee, den Expressionismus, der sich als Gesamtkunstwerk begreift, anhand einer Gegenüberstellung von bildender Kunst und Film einmal neu zu beleuchten.“

Gemälde und Filmstills

Insgesamt werden rund 110 Gemälde und Arbeiten auf Papier sowie 40 Filmstills ­gezeigt. Der Rundgang ist chronologisch in elf Räume gegliedert, in denen jeweils ein kinematografisches Meisterwerk im Mittelpunkt steht. Zentrale Filmsequenzen werden in Dauerschleife an die Wände projiziert. Waren es vor dem Krieg vielmehr exotische Paradiesvorstellungen, die von den bildenden Künstlern entworfen wurden, so stehen die Motive nach 1918 im Spiegel ihrer Zeit: Armut, Hunger und Psychosen werden ebenso thematisiert wie das Glücksspiel und der Amüsierbetrieb. Die Großstadt erscheint als modernes Babylon.

Im expressionistischen Film, der – zeitversetzt – erst nach der Zäsur des Ersten Weltkriegs einsetzt, dominieren diese Themen. Nicht selten waren es bildende Künstler, die in der Produktion ­mitgewirkt haben.

Die Ausstellung

Ein Bild der Zeit – Expressionismus in Bild und Kunst (bis 12. Juni) in der Kunsthalle Emden, Hinter dem Rahmen 13, 26721 Emden; Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10 – 17 Uhr, Samstag, Sonntag, Feiertage 11 – 17 Uhr.

Augenfällig zeigt das Robert Wienes „Das Cabinet des Dr. Caligari“ von 1920, in dem der Schlafwandler Cesare in Caligaris Auftrag furchtbare Morde begeht. Die gemalten Kulissen – holzschnittartig-vereinfachte Formen, schräge Perspektiven und radikale Hell-Dunkel-­Effekte – stammen von Hermann Warm und Walter Reimann, die dem ­Berliner Kreis um Herwarth Walden angehörten. Dessen 1912 ge­gründete „Sturm“-Galerie war ein Treffpunkt der ­Expressionisten. Bunt und märchenhaft hingegen erscheint der Silhouettenfilm „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ von 1926, der auf Motiven aus „1001 Nacht“ basiert und in ganzer Länge läuft. Malerisches Pendant der Orientsehnsucht ist das Aquarell „Südlicher Garten“ von August Macke, 1912. Raum für Raum wird nicht nur eine erstaunliche formale Verwandtschaft zwischen Bild und Film deutlich.

Die beiden Gattungen treten in eine Wechselwirkung, die aufzeigt, dass der Expressionismus keineswegs ein Phänomen der Vorkriegsära ist, sondern über das Medium Film weit in die Kultur der 1920er Jahre hineinwirkt.

Berlin der 20er-Jahre als Filmmetropole der Welt

Nach der ersten Filmvorführung der Brüder Lumière 1895 in Paris verbrei­teten sich von dort die so­genannten „Lichtspielhäuser“. Durch den Ersten Weltkrieg wurde die technische Weiterentwicklung des Mediums Film nur unterbrochen, um nach 1918 schlagartig Furore zu machen. In kurzer Zeit entstanden vielerorts große Kinogebäude.

Die Initialzündung in Berlin – dem Zentrum deutscher Filmproduktion – gab der Ufa-Palast am Zoo. Mit 1740 Plätzen wurde die Spielstätte 1919 eröffnet. Mehr noch als die Fotografie beförderte der Film mit seinen schnellen Bilderfolgen den Zeitgeist der Moderne. Urbanes Leben, Mobilität und Technik, aber auch die gesellschaftlichen Auswirkungen des Krieges fanden im Film ihren Niederschlag.

Die Klassiker des frühen expressionistischen Films erhoben das Magische und Okkulte zum Kunstprinzip. Sujets, die aus der Szene heraus geboren wurden, denn in seiner Entstehung umfasste der Expressionismus bildende Kunst, Literatur, Tanz, Theater und Architektur. Inhaltlich wie formal knüpften die Filmemacher an diese Gattungsvielfalt an.

Insbesondere der Stummfilm bildete eine spezifische Lichtästhetik aus, die mit ihrer schwarz-weißen Bildmächtigkeit, mit Mehrfachbelichtungen und Überblendungen die technischen Voraussetzungen der filmischen Bildproduktion reflektierte und damit ihrerseits die bildende Kunst beeinflusste.

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