EMDEN - Am Wochenende vor Ottos 60. Geburtstag hatten sie vor dem „Otto Huus“ an der Großen Straße Bierbuden aufgebaut und ein Karussell, aber das war dann doch nur Zufall: Emden feierte wieder einmal das Delftfest. Wer da war, ging trotzdem kurz rein zu Otto, lachte oben im Kinoraum über ein paar Sketche und drückte unten zum Abschied den Knopf beim kotzenden Ottifanten. „Wüüürg“, brüllte das Tier, das tut es dann immer; „kurze Brechprobe“ heißt das bei Otto.

Otto Waalkes ist der einzige Komiker, dem schon zu Lebzeiten ein Museum gewidmet wurde. Genau genommen hat er es sich selbst gewidmet: Er hat selbst das Haus gekauft, hat selbst die Andenken ausgesucht, und manchmal steht er sogar selbst hinter der Kasse und verkauft Plüsch-Ottifanten. Das muss auch so sein: Otto macht ja immer alles selbst.

Zum Beispiel im Fernsehen. Da sitzt dieser dünne Mann mit seinen schulterlangen gelben Haaren auf einem Schemel, die Wangen vor Anstrengung gerötet. Sein linker Fuß tritt den Blasebalg eines Harmoniums, darüber greift die linke Hand Akkorde. Die rechte Hand fährt zur anderen Seite, schlägt eine Melodie ins Elektroklavier. Zwischen den Instrumenten wird sein Hals länger und länger, reckt sich zum Mikrofon und singt einen Schlager, „Dänen lügen nicht“. Dann springt der dünne Mann auch schon wieder auf, ruft „Holladihiti“, hüpft in Häschenstellung in die nächste Kulisse und spielt Harry Hirsch oder Susi Sorglos oder Toni Tornado. Jetzt hat das Publikum die Wangen vor Anstrengung gerötet, es lacht sich gerade scheckig.

Vermutlich ist das Ottos Trick: Niemand zuvor hat Nonsens mit mehr Aufwand betrieben, hat Sinnlosigkeit kompetenter vertreten als Otto Waalkes. Er ist ein großartiger Musiker, ein talentierter Zeichner, ein begnadeter Geschichtenerzähler, und sportlich ist er auch, siehe oben. Im „Otto Huus“ hängen Fotos, die ihn beim Fußballspiel mit Günter Netzer zeigen.

An diesem Dienstag wird Otto Waalkes 60 Jahre alt. Kahl ist er geworden, die Häschensprünge gelingen ihm nicht mehr ganz so hoch wie früher. Lachen kann er auch nicht mehr über alles; wenn er in Interviews nach seiner Ehe mit der Oldenburgerin Eva Hassmann gefragt wird, bricht er das Gespräch schon mal ab. Aber sein „Holladihiti“ ruft er noch immer in die Konzerthallen dieser Welt, im Herbst geht er einmal mehr auf Deutschlandtournee. Er werde wohl auf der Bühne sterben, sagte Otto Waalkes einmal im Interview mit dieser Zeitung. „Aber ich weiß nicht, ob es für diese Vorstellung noch Tickets gibt . . .“

Bilder von Otto Waalkes: www. NWZonline.de/fotogalerie-kultur