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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Gezeitenkonzerte: Blicke aus schwindelig machenden Höhen

01.08.2017
NWZonline.de NWZonline 2017-08-01T09:03:09Z

Gezeitenkonzerte:
Blicke aus schwindelig machenden Höhen

Emden Einmal hat das norwegische Fernsehen mit dem Hubschrauber einen Flügel auf ein Bergplateau über einem Fjord gehievt. Auf dem Hocker an der Felskante sitzt Leif Ole Andsnes, Pianist von Weltrang. Ein Werbeeinfall, aber auch ein Symbol für die musikalische Höhe, auf der sich der 47-Jährige bewegt.

Christian Tetzlaff hat sich den Skandinavier zum kongenialen Partner erwählt. Der deutsche Geiger, vor vier Tagen mit dem Echo-Preis 2017 bedacht, erklimmt in der Musik Steilwände von Himalaya-Dimensionen. In Emden, Höhe einen Meter über Normalnull, schwingen sich die beiden in der ausverkauften Neuen Kirche bei den Gezeitenkonzerten der Ostfriesischen Landschaft zu schwindelig machenden Höhen hinauf.

Das Programm verlangt deshalb vom Hörer innere Mitarbeit. Janaceks Sonate für Violine und Klavier und Schostakowitschs Sonate G-Dur op. 134 setzen schicksalhafte Hammerschläge, zersplittern und enden düster-resignativ.

Schuberts nachgelassene drei Klavierstücke D 946 wirken eingängiger, doch ungreifbare Trauer und Einsamkeit durchdringen sie. Und in Bachs Partita d-Moll BWV 1004 für Violine solo mit der berühmten Chaconne balanciert die Musik auf einem Hochseil zwischen Intellekt und Sentiment.

Tetzlaff ist vielleicht der beste Bach-Spieler unserer Zeit, konstruktiv, kontemplativ. Wenn er in diesem von vier Saiten begrenzten, doch alle Grenzen überschreitenden Kosmos in unfassbare Gefühlswelten vordringt, halten 420 Zuhörer den Atem an. Andsnes demonstriert zeitgemäßes Schubert-Spiel. Rasche Tempi zieht er leicht an, gemäßigte nimmt er noch ein wenig mehr zurück. Über die Stücke legt er einen schwebenden Ton von Ferne, Geheimnis und zerbrechender Schönheit.

Beide vereinigt eine gewisse pulsierende Nervosität, wodurch in die meditativen langsamen Sätze der Duos eine mystische Aura einzieht. Ihr Spiel ist bei aller Konzentration immer federnd, feurig, energiegeladen – und wenn es die Partitur verlangt auch brutal. Nur klingen darf es nicht danach. Bei Tetzlaff/Andsnes ist das aber nur eine Facette auf einer Ausdrucksskala, auf der man kein Ende sieht.