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Premiere Endlose Feier von Albernheiten

Wolfgang Denker

Bremen - Giacomo Puccinis „La Bohéme“ ist eigentlich immer ein garantierter Publikumserfolg. Doch angesichts der Bremer Neuinszenierung durch Benedikt von Peter scheint auch das nicht mehr sicher zu sein, denn ein nur von wenigen Bravorufen „getrübtes“ Buhgewitter prasselte dem Regieteam am Ende der ohne Pause gespielten Premiere entgegen.

Dabei ist der Ansatz, die Unreife und Liebesunfähigkeit der vier Bohemiens in den Mittelpunkt zu stellen, durchaus überdenkenswert. Die äußere Handlung spielt sich nur in der Fantasie der Künstlerfreunde ab. Mimi und Musetta bleiben unsichtbar und sind nur als Stimmen zu vernehmen.

Auch die kleineren Rollen wie Benoit, Alcindoro oder der Zöllner werden folgerichtig einfach von Colline gemimt. Nur wenn im 3. Akt von ihrem Tod die Rede ist und dann auch in der Schluss-Szene tritt Mimi wie eine Geistererscheinung auch als Person auf.

Unterm Schottenrock

Doch der Regisseur schüttete bei seinem Konzept das Kind mit dem Bade aus. Die vier Herren agieren übertrieben albern, bespritzen sich ständig mit Farbkartuschen und richten auf der Bühne ein veritables Chaos an. Diese mit pechschwarzen Wänden ausgeschlagene Bühne ist komplett leer – keine Dachkammer, kein Café Momus und kein Wirtshaus.

Hätte von Peter diesen Verzicht auf optische Kulinarik doch durch psychologische und feinfühlige Charakterisierung ersetzt! Aber die Aktionen der Künstlerfreunde fielen derart überzogen und klamaukig aus, dass die Grenzen zur Infantilität eigentlich ständig überschritten wurden.

Erste Buhrufe gab es denn auch schon nach dem 2. Akt. Rodolfos Liebeserklärung an Mimi nimmt Marcello entgegen, der sich dazu ein feuerrotes Kleid übergezogen hat. Im Falle Musettas übernimmt Schaunard diesen Dienst als Fantasie-Stimulator. Aber musste wirklich bewiesen werden, dass nicht nur unterm Schottenrock, sondern auch unterm „Musetta-Rock“ gar nichts ist? Jedenfalls hat die Regie die Stimmungen, die Puccinis Musik in so reicher Form bereithält, gründlich konterkariert. Erst in der Schluss-Szene, wo die Albernheiten abebbten, kam Puccini zu seinem Recht.

Dabei war das, was Markus Poschner am Pult der Bremer Philharmoniker von Anbeginn an klangsensibel und mit sicherem Gespür für die Entfaltung von Puccinis Melodienseligkeit realisierte, von allererster Qualität. Man musste einfach nur manchmal die Augen schließen.

Tiefes Mitgefühl

Als Mimi konnte Nadine Lehner ohne Einschränkung begeistern. Sie sang die Partie eher herb als süßlich, mit aufblühendem Stimmklang und fast schmerzlicher Intensität. Auch Luis Olivares Sandoval war mit seinem warm klingenden Tenor als Rodolfo eine gute Besetzung. Raymond Ayers war mit kernigem Bariton ein markanter Marcello, Marysol Schalit eine stimmstarke Musetta und Patrick Zielke ein agiler Schaunard.

Einen Glanzpunkt setzte Christoph Heinrich als Colline mit seiner sonoren, von tiefem Mitgefühl erfüllten Mantelarie.

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