Bergedorf - Steine gaben den Anstoß. Im Schnitt etwa 26 Zentimeter lang, 7,70 Zentimeter hoch – was mochten das für Ziegel sein, auf die der Heimatforscher Hermann Speckmann da vor einiger Zeit aufmerksam gemacht worden war? In einem ehemaligen Back- und Waschhaus in Bergedorf sind die rätselhaften Steine vermauert. Speckmanns Neugier war geweckt. Er begann zu recherchieren. Und er legte jetzt Ergebnisse vor: Vieles spreche dafür, dass die großformatigen Ziegel eine Bergedorfer Produktion sind. Was in der Konsequenz hieße: Ein Teil der Bergedorfer Geschichte müsste umgeschrieben werden.

Rückblick. In der Folge des Grafenmordes von 1192 (siehe Bericht unten) wurde in Bergedorf eine Marienkapelle als Sühnekapelle errichtet. Mit dem Bau, so Speckmann, sei wohl zwischen 1192 und 1198 begonnen worden. In diesen Jahren („zwischen 1194 und 1198“) habe sich hier ein Frauenkonvent angesiedelt – Benediktinerinnen, so hatte es Fritz Bultmann in seinem Buch „Ganderkesees Geschichte“ (1952) vermutet. Doch die Damen verließen den Ort laut Speckmann noch vor 1200 wieder. „Den Nonnen war’s in Bergedorf zu einsam“, meinte Bultmann. Sie seien nach St. Michaelis in Bremen zurückgekehrt.

„Frühestens 1202“ hätten sich dann Zisterzienser-Mönche in Bergedorf angesiedelt. Doch auch sie blieben nicht lange. 1232 zogen die Ordensmänner nach Hude um und bauten dort ein Kloster.

Bislang, so sagt Speckmann, habe man angenommen, die Zisterzienser hätten sich für Hude entschieden, weil ihnen in Bergedorf ausreichend Wasser fehlte. Denn Zisterzienser hätten sich nach ihren Ordensregeln vorzugsweise von Fisch ernähren müssen. Doch hier kommt ein Einwand des Heimatforschers: „Falsch“ sei diese Annahme. Bergedorf habe in früheren Jahrhunderten durchaus Gewässer gehabt, sogar ein größeres. Das sei auf alten Karten ersichtlich.

Eine Konsequenz: Die Zisterzienser hätten, weil neben dem Wasser auch Lehm vorhanden war, eine Ziegelproduktion aufbauen können. Dafür habe ihr 30-jähriges Gastspiel in Bergedorf allemal ausgereicht, ist Speckmann überzeugt – schließlich hätten sie später in Hude nach gut zehn Jahren Ziegel produziert.

Der Ganderkeseer verwies darauf, dass die Bergedorfer Marienkapelle „aus Steinen erbaut war“ – aus Steinen aus Bergedorfer Produktion, wie er vermutet. Ob denn dafür nicht Huder Steine genommen wurden? „Nein“ sagt Speckmann. „Die späten Huder Klosterformat-Ziegel haben ein Maß von 27/28 mal 12 mal 9 Zentimeter. Die Maße, die im Back- und Waschhaus in Bergedorf gefunden wurden, betragen 18 mal 8 bis 29 mal 7 Zentimeter“ (die Breite konnte nicht vermessen werden, da die Steine ja vermauert sind).

Speckmann gesteht durchaus zu, dass seine Folgerung eine Schwachstelle hat: Bislang konnten in Bergedorf weder Lehmabbaustellen noch Ziegelbrandöfen oder Ziegelschutthalden nachgewiesen werden.

Und wo sind seines Erachtens die Bergedorfer Steine geblieben? Hier verweist Speckmann auf Aufzeichnungen aus dem 17. Jahrhundert. Da hätten Einwohner aus Bergedorf in mehreren Fällen Strafe zahlen müssen, weil sie Steine aus der Kapelle für eigene Baumaßnahmen stibitzt hatten. In einem Fall sei auch urkundlich, für welches Vorhaben – nämlich für ein Backhaus in Bergedorf.

 Hermann Speckmann will die Ergebnisse seiner Recherchen in einem etwa 15-seitigen Heft veröffentlichen, das auf dem „Klosterhof Bergedorf“ (Logemann) erhältlich sein wird. Darüber hinaus werden die Ergebnisse einen Beitrag in seinem nächsten Buch darstellen, das den Titel „Geschichten der Wildeshauser Geest“ tragen soll.