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NWZonline.de Nachrichten Kultur

„Emilia Galotti“ – mal unentschlossen und affig

02.03.2015

Oldenburg Hat uns Gotthold Ephraim Lessing heute noch etwas zu sagen? Besonders die Tragödie von 1772 um ein sittsames Bürgermädchen, das gegen den feudalen Besitzanspruch des dekadenten Prinzen kämpft? Lieber den Tod wählt als vom sündigen Adel verführt?

Gibt’s das noch?

Wo es Karten für das Stück gibt

Karten für das Drama von G. E. Lessing (1729–1781) im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters gibt es unter Telefon   0441/222 51 11

Alles Ð -Kritiken unter: www.nwzonline.de/premieren

Ja, im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters. Allerdings hat Regisseurin Julia Wissert die Tragödie „Emilia Galotti“ gepackt und in zweieinviertel Stunden fast zu Tode geschüttelt. Ihr Personal schickt sie auf eine Reise ins Unentschlossene und Affige. Und das ist dann das eigentliche Trauerspiel.

Pumps und Perlen

Der gierige, um Emilia buhlende Prinz, der Verursacher aller Probleme? Johannes Lange spielt ihn, leider nicht überzeugend artikulierend, als zappeligen, snobistischen, kindlichen Kerl. Dieser Herr der Oberfläche sucht gern Bodennähe, kraucht da rum, klatscht in die Hände, wälzt sich in einer Plastikplane.

Emilias Vater? In lehrermäßige Cordjacke gekleidet, ein ernster Mensch, der an diesem verlorenen Abend noch am ehesten überzeugt (Thomas Ziesch). Die Mutter? Pumps und Perlenkette zeigen eine Dame, die feine Klamotten aufträgt und eher steif zu deklamieren hat (Nientje Schwabe).

Und die Emilia? Die junge Magdalena Höfner lässt sie so blass aussehen, wie sie geschminkt ist. Sie drückt von vornherein die Angst eines Mädchens aus, das eine Welt verliert. Nach der Pause und dem Verlust des Bräutigams schreitet die traurige Emilia quälend langsam mit Blümchen in Richtung Rampe bis das Kleidchen juckt.

Marinelli (Pirmin Sedlmeier), der Gehilfe des Prinzen? Ein simpler Lautsprecher, eher albern als böse. Nicht nur er, das ganze Ensemble wirkt so, als würde es gleich zum totalen Verjuxen antreten. Psychologische Tiefbohrungen darf man also nicht erwarten. Die Grundstimmung bleibt entschieden unentschieden, und den fehlenden roten Faden versucht eine hilflose Regie durch Kurzweil zu ersetzen. Also darf der Prinz hüpfen oder mit den Armen rudern und die Gräfin Orsina (Diana Ebert), die Ex-Geliebte des Prinzen, das hysterische Huhn mimen.

Mehrmals läuft die ins Abendkleid gesteckte Gräfin kreischend rein und raus. Dazu wirft sie auch mal Glitterzeug in die Luft. Das ist nett, aber nutzlos. Und nicht nur da wirken die Affekte der Figuren wie von außen aufgestülpte Effekte. „Wundert sich das Gehirnchen?“, ruft die Gräfin. Nein, man wundert sich nicht mehr. Auch nicht über eine unklare Bühne, angesiedelt zwischen Palasthalle und Gewächshaus.

Tochter erwürgt

Gewiss, szenische Übergänge sind gut geraten, fließend fast, weil das Personal auf der Bühne verharrt. Aber da haben wir noch nicht erwähnt, dass so wichtige Sätze wie „Eine Rose gebrochen, ehe der Sturm sie entblättert“ gestrichen wurden.

Folgerichtig spart man dann selbst am Ende des Dramas. Emilia wird vom Vater in herzlicher Umarmung erwürgt und nicht, wie sonst üblich, erdolcht. Schon ist abrupt Schluss. Dies dürfen wir von dieser Inszenierung mitteilen, weil es sonst nichts davon mitzuteilen gibt.

Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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