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Musik Erfolg in homöopathischer Dosis

Regina Jerichow

Rastede/Osnabrück - Das schwarz-weiße Poster von Steve Steigman hinter der schwarzen Ledercouch wirkt wie ein Statement: Aus der Lautsprecherbox dröhnt die Musik und bläst den Mann gegenüber fast aus dem Sessel. Töne wie ein Tsunami. Von derartigen Klangexplosionen ist Johannes Bultmann weit entfernt. Ganz still und verträumt sitzt er auf dem Sofa, aber auch ohne sichtbare Ausbrüche teilt er mit dem durchgewirbelten Mann auf dem Bild eine Leidenschaft: die Musik.

Zehn eigene Songs

Der 31-Jährige aus Rastede, der in Göttingen geboren wurde und in Oldenburg aufgewachsen ist, hat seine erste CD herausgebracht – und zeigt beispielhaft, wie schwer es ist, auf dem Musikmarkt Fuß zu fassen. Seine CD hat nichts Dröhnendes. Es sind gesungene, lyrische Popballaden, die er nicht nur selbst komponiert hat, sondern zu denen er sich auch selbst am Klavier begleitet. Ein bisschen klassisch mutet das an, eingängig, an Elton John und Billy Joel erinnernd, aber für einen Neueinsteiger eher ungewöhnlich.

Aber je ungewöhnlicher, desto größer die Chancen, wahrgenommen zu werden: „Das ist unbedingt ein Pluspunkt“, sagt Holger Gechter, der gemeinsam mit Gerald Oppermann das unabhängige Plattenlabel mit eigenem Tonträgervertrieb „timezone Gechter/Oppermann“ in Osnabrück betreibt. Seit Januar ist Bultmann dort unter Vertrag.

Mehr als 200 Musiker und Bands sind bei „timezone“ verzeichnet. 500 Alben wurden nach den Worten Gechters bisher „geliftet“. Im Falle von Johannes Bultmann, der seine professionellen Aufnahmen aus einem privaten Studio bereits mitgebracht und die Rechte daran behalten hat, wurde von „timezone“ die CD hergestellt und offiziell veröffentlicht.

Das kleinste Paket mit einer Auflage von insgesamt 200 CDs kostet 399 Euro. „Konkurrenzlos günstig“, wie Gechter betont. Inbegriffen sei der physische und digitale Vertrieb. Die CD „blue september skies“ von Johannes Bultmann ist also auch online erhältlich und der Musiker mit 50 Prozent an jeder verkauften CD beteiligt.

Bultmann gibt sich im Gespräch eher bescheiden. Seine leise Stimme passt kaum zur Sonnenbrille, die er auch im Zimmer trägt – zu schwarzem Hemd und Sakko. Schon als Siebenjähriger habe er angefangen, Klavier zu spielen. Er sang in verschiedenen Chören und studierte von 2003 bis 2007 im Bereich Pop an der Hamburger Sängerakademie. Von den 13 Songs auf der CD stammen zehn von ihm – selber komponiert und getextet.

Beste Voraussetzungen, sollte man meinen. Doch Gechter dämpft allzu große Hoffnungen. Die Chancen stünden allgemein schlecht. Was nach seinen Worten vor allem daran liegt, dass Jugendliche kaum noch CDs kaufen würden, sondern sich online bei YouTube oder diversen Streaming-Portalen die Songs anhören könnten – alle umsonst und von bester Qualität. Das Angebot im Internet sei unüberschaubar, und die Gewinne der Künstler bewegten sich dabei im homöopathischen Bereich. Davon leben könne man nicht, aber Musik sei so viel mehr als bloß ein Broterwerb.

Für Letzteren reicht es auch bei Bultmann noch nicht, obgleich er privat, wie er sagt, schon 600 bis 700 CDs verkauft habe. Er werde 2014 noch mehr Konzerte geben. Das wäre auch ganz im Sinne Gechters, der „100 Konzerte jedes Jahr“ für erforderlich hält, um die Musik an den Konsumenten zu bringen. Musiker müssten immer auch ihre eigenen Manager sein.

Glückssache

Dass es gelingen kann, beweist etwa die Sängerin Julia A. Noack, auf die Radio Bremen aufmerksam wurde, die schon mehrere TV-Auftritte hatte und recht gut verkauft. Vielleicht ist sie eine gute Managerin in eigener Sache. Vielleicht trifft aber auch zu, was Gechters Partner, Gerald Oppermann, einmal gesagt hat: Erfolge wie diese seien zu 50 Prozent immer auch Glück. Und das lässt sich bekanntlich nicht steuern.

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