Bremen - „Auf schwarzen und weißen Tasten ist das vielleicht kleinste Musikfestival“, so Musikredakteur Wilfried Schäper von Radio Bremen Zwei, aber eines, wo sich Pianisten aus der ganzen Welt seit mittlerweile 33 Jahren mit drei Konzertprogrammen innerhalb einer Woche auf sämtlichen 88 Klaviertasten präsentieren. Der Sendesaal in Bremen ist vielleicht von der Bestuhlung und der Optik her kein Juwel, aber die Akustik für Klavier- und Kammermusik ist hervorragend.

Der 1987 in Ludwigshafen geborene Pianist Joseph Moog eröffnete am Wochenende das diesjährige kleine aber feine Musikfestival mit einem ausgezeichnet dargebotenen Klavierabend im voll besetzten Sendesaal.

Auffallend ist Moogs schlafwandlerische spieltechnische Sicherheit, mit welcher er jede einzelne Komposition äußerst virtuos und gleichzeitig wohl durchdacht interpretiert. Bei Schuberts „Wanderer Fantasie“ und Chopins dritter Klaviersonate legt er den Fokus besonders auf die sinfonische Gestaltung. In mannigfaltigen Klangfarben werden einzelne Orchestergruppen hörbar. Dazu verfügt der Pianist über ein breites Spektrum an dynamischen Schattierungen. Das Satzbild bleibt stets deutlich und klar, Nebenstimmen kommen bestens zur Geltung. Vielleicht könnten bei den langsamen Sätzen die Melodien von der dynamischen Gestaltung her, im Sinne des Atems der menschlichen Stimme, etwas beweglicher sein, um eine stärkere lyrische Vertiefung zu erreichen.

Drei klangschön dargebotene Konzertraritäten aus „Recueil de chants“ von Charles Valentin Alkan lassen aufhorchen. Beim „Canon“ ergänzen die zwei sich umgarnenden Stimmen sich zu einer dicht verwobenen Einheit und leichtfüßig schwingend, mit aparter Harmonik, erklingt die „Barcarolle“.

Zu ganz besonderer Intensität gelangt Joseph Moog bei Alexander Skrjabins vierter Sonate in Fis-Dur. Das kristalline Klangbild des ersten Satzes schillert in verschiedensten Farben. Der Klaviersatz fächert sich bei „quietissimo“ zu sphärisch anmutender Schönheit auf, in welcher der Pianist die Melodie im „dolce cantabile“

zart hineinzaubert. Faszinierend gestaltet er das rhythmisch zur Auflösung drängende „Prestissimo volando“ des Finalsatzes mit seiner fulminanten Steigerung zum „focosamente giubiloso“ in der glanzvoll dargebotenen, virtuosen und vollgriffigen Schluss-Apotheose. Es gibt drei spannende, gut gewählte Zugaben für den begeisterten und lang anhaltenden Beifall des Publikums.

So geht’s weiter

An diesem Mittwoch wird es das zweite Konzert von „Auf schwarzen und weißen Tasten“ geben durch den auch im Nordwesten bekannten Pianisten Severin von Eckardstein mit Werken von Schubert, Strauss, Reger und Scharwenka. Das Abschlusskonzert findet am Samstag, 13. Januar, mit dem japanischen Pianisten Kotaro Fukuma statt. Neben der zweiten Sonate von Rachmaninow wird er die beiden letzten Klaviersonaten von Alexander Skrjabin interpretieren. Beginn der Konzerte ist jeweils 20 Uhr.

Karten unter www.sendesaal-bremen.de