Rastede/Wahnbek - Erich Kästners Bücher „Emil und die Detektive“, „Das fliegende Klassenzimmer“ oder „Pünktchen und Anton“ gelten als Klassiker. An diesem Sonntag vor 115 Jahren wurde der Autor in Dresden geboren, vor 40 Jahren – am 29. Juli 1974 – starb er in München.

Die Gemeindebücherei in Rastede hat derzeit 24 Bücher, drei Filme und zwei Hörspiele im Sortiment. Leiterin Nicole Mühlmann zieht ein echtes „Schätzchen“ aus dem Regal. Es handelt sich um das Buch „Drei Männer im Schnee“, das Kästner 1934 für Erwachsene schrieb. In Ras­tede liegt die Auflage aus dem Jahr 1969 vor, die noch immer gut erhalten ist.

Das liegt wohl auch daran, dass Kästner in Rastede „überwiegend als Kinderbuchautor wahrgenommen“ wird, sagt Nicole Mühlmann, die in ihrer Jugend gerne Kästners Bücher gelesen hat. Bei den Entleihungen liegt denn auch „Pünktchen und Anton“ vorne. 70-mal wurde es bereits ausgeliehen.

Noch viel gefragter seien allerdings die Filme: Die DVD „Das fliegende Klassenzimmer“ aus dem Jahr 2005 wurde schon 95-mal ausgeliehen, der Film „Emil und die Detektive“ von 2001 kommt auf 67 Ausleihen, berichtet Nicole Mühlmann. Für Kinder seien die Kästner-Filme häufig eine „Einstiegsdroge“, über die sie dann auf die Bücher aufmerksam werden.

Den Klassiker „Emil und die Detektive“ führt die Gemeindebücherei auch als sogenannten Graphic Novel. Dass der Verlag das Buch als Comicroman neu auflegt, sei für Nicole Mühlmann ein Zeichen dafür, dass Kästner noch immer aktuell ist und gelesen wird.

Nicht zuletzt seien viele seiner Bücher im Antolin-Programm enthalten, weiß die Büchereileiterin. Dieses internetbasierte Programm zur Leseförderung wird in Schulen eingesetzt. Nachdem ein Schüler ein bei Antolin aufgelistetes Buch gelesen hat, kann er einen Fragebogen ausfüllen. Um die Fragen zu beantworten, muss das Buch zuvor intensiv gelesen worden sein.

An der Grundschule Wahnbek wird Kästner in den vierten Klassen im Deutschunterricht behandelt, sagt die stellvertretende Schulleiterin Theodore Lohde. Die Kinder müssen dann jeweils ein Buch des Autors vorstellen. Für die Schulbücherei wurden gerade im vergangenen Jahr noch neue Auflagen der Kästner-Klassiker angeschafft.

Walburga Soeken, die ehrenamtlich die Schulbücherei in Wahnbek betreut, stellt allerdings fest, dass die Kästner-Bücher meist nur dann ausgeliehen werden, wenn sie auch im Unterricht behandelt werden. Sonst hätten die Kinder heutzutage andere Lese-Favoriten.

Die ältesten Stücke in Wahnbek sind eine Nacherzählung von „Gullivers Reisen“, die in der Auflage von 1961 vorliegt, und das Buch „Der kleine Mann“ in der Auflage von 1968. Sie stammen aus dem Fundus von Theodore Lohde, die selbst Kästner-Fan ist und gerne auf Bücherflohmärkten nach Klassikern stöbert.

Kästners Werke seien wieder „in“, findet die stellvertretende Schulleiterin. Sie schätzt die schönen Geschichten für Kinder, aber auch die Gedichte des Autors.

Letztere seien es, die auch in höheren Klassen noch behandelt werden. Dr. Arnold Bettien, didaktischer Leiter der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Rastede, berichtet, dass Kästners Bücher heute normalerweise nicht mehr zur Lektüre im Unterricht gehören. Seine Gedichte fänden sich aber noch immer in Schulbüchern.

An der Grundschule Feldbreite sind die Kästner-Bücher ebenfalls nicht mehr Bestandteil des Unterrichts. Schulleiterin Anna Hobusch sagt, dass sich der Wortschatz so verändert habe und viele Begrifflichkeiten den Schülern heute nicht mehr geläufig seien, die in den Büchern von Kästner, aber auch in denen von Otfried Preußler oder Astrid Lindgren verwendet wurden. „Das ist nicht mehr die Sprache, die die Kinder heute sprechen“, sagt Anna Hobusch und verweist darauf, dass es viele moderne Kinderbuchautoren gebe, die qualifizierte Bücher mit einem guten Wortschatz schreiben.

Dennoch seien die Kästner-Geschichten für Kinder spannend. „Wenn wir den Kindern aus den Büchern vorlesen, ,übersetzen‘ wir die Sprache ins heutige Deutsch“, sagt Anna Hobusch. Beliebt seien bei den Schülern zudem die Verfilmungen der Kästner-Geschichten. Und immerhin: In der Schulbücherei gibt’s noch das Buch „Emil und die Detektive“.

Frank Jacob
Frank Jacob Redaktion Rastede, Redaktion Wiefelstede