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NWZonline.de Nachrichten Kultur

PREMIERE: Erinnerungsfahrt im Rollstuhl

03.10.2009

OLDENBURG In den vergangenen 90 Minuten hat Pavel Möller-Lück in der „Milchbar“ sein Innerstes nach außen gekehrt. Er hat Wut, Angst, Hoffnung und den innigen Wunsch, seine demenzkranke Mutter möge den wahren Namen seines leiblichen Vaters endlich nennen, mit dem Publikum geteilt.

Jetzt, als das Stück aus ist und der Applaus ihn freundlich umarmt, will die Freude sich auf seinem Gesicht nicht einstellen. „Wo bleibt denn die Oma?“, ruft jemand aus dem Publikum, der die Hauptdarstellerin gerne noch einmal sehen würde. „Das ist keine Oma“, antwortet Möller-Lück zerknirscht, „das ist meine Mutter, und das geht Sie gar nichts an.“

Autobiografische Züge

„Milchbar“, so heißt das neue Stück des Theaters Laboratorium. Es ist die erste Premiere des rührigen Oldenburger Figurentheaters, dessen pochendes Herz seit vielen Jahren die künstlerischen Leiter und Schauspieler Pavel Möller-Lück und seine Frau Barbara Schmitz-Lenders sind. Autobiografische Züge enthalte die Milchbar, erfährt man. Mehr nicht.

Premieren im wohl erfolgreichsten Privattheater Niedersachsens sind selten. Die letzte liegt zwei Jahre zurück. Lange Zeit wird das Theater seine Milchbar nun öffnen, „die Premiere heute Abend war nur ein erster Entwurf“, sagt Möller-Lück.

Das ist gut so, denn noch sind an der Außenfassade dieser Milchbar, die übrigens gar nicht zu sehen ist, Längen zu erkennen und Pointen nicht fein genug ausgearbeitet. Innen drin ist das neue Figurentheater aber ganz wunderbar. Mechtild Nienaber hat erneut eine unglaublich menschliche Puppe geschaffen, die im Zentrum des Geschehens steht: eine alte Frau im Rollstuhl. Und Pavel Möller-Lück flößt ihr mit Stimme, Gestik und Herzblut das Leben einer demenzkranken Dame ein, die mal mitleiderregend verwirrt ist und im nächsten Moment herrisch alle herumkommandiert.

Surreale Regieeinfälle

Sie heißt Charlotte Thieme, trägt schicke Kleider und lebt in einem Haus, dessen Einrichtung so schwarz ist wie das immer größer werdende Loch in ihrer Erinnerung. Vor 50 Jahren hat sie Tom (Pavel Möller-Lück) unehelich zur Welt gebracht und ihm nie erzählt, dass Armin sein Vater ist. Die Demenz ist nun so weit fortgeschritten, dass ihre beiden Bediensteten (Barbara Schmitz-Lenders und Jonathan Went) Tom benachrichtigen.

Nach 15 Jahren sieht er seine Mutter wieder und begibt sich auf eine Reise zurück in die Kindheit, als er davon träumte, Jimi Hendrix oder Gerard Depardieu könnte sein Vater sein.

An Bord von Toms Erinnerungsfahrt befinden sich jede Menge surrealer Regieeinfälle (Regie: Markus Wulf). So erstreckt sich hinter dem Wandschrank der alten Dame das Meer. Man sieht einen Rettungsring und hört Möwengeschrei. Schwimmflügelchen für Tom, ein untergetauchtes Telefon im Aquarium und eine coole „Ich-weiß-und-seh-alles-Brille“ lockern das Thema skurril auf. Dazu werden alte Schallplatten aufgelegt und die Mondlandung in einem Teewagen mit Katzenstreu nachgespielt.

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