Hude - Behutsam ertastet Heinz Steinmüller die Seiten im schwarzen Buch der Farben, das vor ihm ausgebreitet liegt. Es ist nur eines von insgesamt 55 Medien, die künftig in den Regalen der Büchereien in Hude und Wüsting stehen werden. Die Besonderheit: Sie setzen sich schwerpunktmäßig mit Inklusion auseinander. Das schwarze Buch der Farben ist keine gewöhnliche Lektüre. Blindenschrift und ertastbare Bilder helfen Menschen mit Sehbehinderung beim Lesen – aber nicht ausschließlich. Unter der Blindenschrift steht der Text auch in normalen Lettern.

„Wir wollten etwas Nachhaltiges für die Allgemeinheit schaffen“, erklärt Jörg Kreusel, stellvertretender Vorsitzender des Behindertenrates der Gemeinde Hude. Nach längerer Überlegung hatten die Beiratsmitglieder schließlich die Idee, besonderen Lesestoff für die Büchereien vom Haushaltsmittelüberschuss zu finanzieren. „Wichtig war uns, dass die Lektüre für jedermann zugänglich ist und sich nicht nur auf eine Zielgruppe beschränkt. Das ist schließlich der Grundsatz von Inklusion“, sagt der Erste Vorsitzende des Behindertenbeirates der Gemeinde Hude, Heinz Steinmüller.

Bevor jedoch eingekauft wurde, holten sich die Mitarbeiterinnen der Bibliotheken fachkundige Hilfe. „Wir haben uns mit der Integrationsgruppe eines Kindergartens getroffen“, erklärt die Leiterin der Gemeindebibliothek, Anja Lanzen. Die Entscheidung fiel letztendlich auf Hör- und Sachbücher sowie Gewichts- und Geräuschmemories. Einfach verständliche Lektüre und Spiele sollten es sein, aber eben auch etwas, das es in den Büchereien bisher noch nicht gab. Aufgeteilt werden die Medien zwischen der Bücherei in Wüsting und der Gemeindebibliothek in Hude.

„Wir möchten das Angebot später erweitern“, erklärt Steinmüller, klappt das schwarze Buch der Farben zu und legt es zurück auf den Tisch.

Sabrina Wendt
Sabrina Wendt Thementeam Wirtschaft