Frau von Bestenbostel, als Preisträgerin für besondere Art der Leseförderung wissen Sie sicher, wie man kleine Bücherwürmer züchtet...

von BestenbostelWer zu mir in die Buchhandlung kommt, soll sich wohlfühlen. Wir haben ein Vorlesesofa, eine Spielecke, eine extra Türklinke für Kleine, hier darf man auch Eis essen und toben. Und wir denken uns Aktionen aus, wie das Lieselotte-Fest mit der lebensgroßen Plastikkuh auf der Kinderfarm letztes Jahr. Außerdem beteiligen wir uns an verschiedenen bundesweiten Projekten wie dem Welttag des Buches oder an der Aktion Lesetüte. Aber mit all diesen Sachen erreicht man eigentlich nur Kinder, die eh gerne lesen.

Und der Rest geht leer aus?

Von BestenbostelSolange die Eltern nicht mitmachen und ihre Kinder früh für Bücher begeistern, ja. Bei der Aktion Lesetüte bekommen die Schulanfänger von uns ein Buch geschenkt. Für manche ist es das erste eigene, von zuHause kennen die das gar nicht.

Macht Sie das traurig?

von BestenbostelWenn ich vor der Bücherei eine Frau treffe, die ihr fünfjähriges Kind wegzieht und sagt „was willst du denn da, du kannst doch eh noch nicht lesen“, frage ich mich, wie da ein Interesse für Bücher wachsen soll. Es geht doch nicht nur um Buchstaben. Zuerst lernen Kinder, Bilder zu lesen – dann Texte. Und im besten Fall lernen sie ganz früh, Bücher zu lieben. Wenn Kinder bei uns im Laden schöne neue Erfahrungen sammeln oder auf anderen Wegen mit spannenden Geschichten in Kontakt kommen, ist schon viel gewonnen. Deshalb setzen wir uns für die Leseförderung ein, wo wir können.

Wie sind Sie selbst zur Leseratte geworden?

von BestenbostelIch bin damit aufgewachsen. Meine Oma hat die Buchhandlung gegründet, dann hat mein Vater sie übernommen – und schließlich ich. Als Kind habe ich alles verschlungen, was in meine Hände kam. Was andere aus dem Fernsehen kannten – Pippi Langstrumpf und Jim Knopf – habe ich gelesen. Das war meine Welt. Immer.

Und heute gucken alle Kinder lieber Fernsehen, als zu lesen?

von BestenbostelIch glaube gar nicht, dass die Kinder von heute weniger lesen. Sie haben nur nicht mehr so viel Zeit dafür. Es gibt so viel Ablenkung – chatten im Internet, Computerspiele, Smartphones. Am besten alles gleichzeitig.

Wie läuft das bei Ihnen zu Hause? Verordnen Sie Ihrem Nachwuchs eine Lesezeit?

von BestenbostelMuss ich gar nicht. Der ist eh schon infiziert. Wir lesen jeden Tag vor, und abends kommt dann doch noch ein Stapel Bilderbücher mit ins Bett.

Tun Sie den größeren Literaturfreunden auch was Gutes?

von BestenbostelEs gibt unseren Leseclub für Jugendliche. Und für Erwachsene laden wir Schriftsteller ein. Im Herbst kommt unter anderem die Autorin Dörte Hansen und liest aus ihrem Bestseller „Altes Land“. Im Sommer wird es noch eine große Überraschung geben. Aber mehr verrate ich nicht.

War die Auszeichnung für Sie eine Überraschung?

von BestenbostelIch habe mich ja beworben. Zu gewinnen, ist natürlich toll. Eine große Wertschätzung. Und die Verleihung war sehr schön und feierlich. Die ganze Branche wurde gewürdigt.

Hoffen Sie auch auf mehr Kunden?

v. BestenbostelKlar. Aber in erster Linie geht es um die Anerkennung.

Also nächstes Mal wieder eine Bewerbung?

von BestenbostelAuf jeden Fall.

Und dann? Gewinnen Sie den Oscar?

von BestenbostelVielleicht. Den gibt es nämlich tatsächlich – in diesem Herbst wird zum ersten Mal der Deutsche Buchhandlungspreis verliehen. Meine Bewerbung ist schon abgeschickt.

Ihr größter Traum?

von BestenbostelWas Auszeichnungen anbelangt, geht nicht mehr, als das. Was ich mir aber noch mehr wünsche, ist eine lebendige Innenstadt. Und viele zufriedene Kunden, die gerne herkommen. Wir möchten in Nordenham unentbehrlich sein.