Herr Busse, wie alt wollen Sie noch werden?
BusseIch hab’ mir nichts vorgenommen.
Und wie jung wären Sie gern?
BusseIch sehne mich nach nichts zurück – auch, wenn die vitalste Zeit vorbei ist.
Wann war die?
BusseZwischen 40 und 50. Aber da gab’s auch die meisten Anfeindungen und Eifersüchteleien. Ich bin ganz froh, dass das vorbei ist.
Wann gehen Sie in Rente?
BusseBin ich doch. Ich habe mein Leben lang nie gearbeitet. Körperlich, meine ich, sondern immer nur getan, was mir Spaß macht. Warum sollte ich aufhören? Das tue ich erst, wenn ich die drei Stufen zur Bühne nicht mehr hochkomme.
Was machen Sie, wenn keiner mehr lacht?
BusseDas passiert nicht. Nach über 50 Jahren auf der Bühne mache ich einfach weiter – bringe noch eine Pointe –, bis sich das Publikum regt.
Sind Sie immer lustig?
BusseNicht lustig – komisch.
Was waren die komischen Höhepunkte in Ihrem Leben?
BusseEs gab Hochzeiten. Ob die komisch waren, weiß ich nicht. In einer Phase habe ich viel Geld verdient. In einer hohes Ansehen genossen, dann hatte ich filmischen Erfolg – und persönlichen.
Gab es auch Tiefpunkte?
BusseSicher. Aber ich gehöre zu den glücklichen Menschen, die sich daran nicht gut erinnern können – eine Schutzfunktion. Wir zerbrechen selten an uns selbst. Gott sei Dank.
Mit wem würden Sie in eine Senioren-WG ziehen?
BusseMit keinem. Fürs WG-Leben bin ich zu pingelig – seit jeher.
Sind Sie auch eitel?
BusseKlar. Sonst würde ich nicht auf die Bühne gehen.
Wie lange brauchen Sie denn im Bad?
Busse30 Minuten. Aber das ist Pflege. Ich bin schließlich 73 Jahre alt. Da muss man was tun – ich rasier mir auch die Achselhaare. Aufs Augenbrauenzupfen verzichte ich aber.
Werden Sie ernst genommen – oder sind Sie immer der Witzemacher?
BusseWenn ich das Maul aufmache, merken die Leute schon, dass ich nicht alles komisch finde. Ich bin nicht ernst, aber ernsthaft. Sonst könnte ich diesen Job gar nicht machen.
In den Anfängen Ihrer Fernsehkarriere haben Sie den Bösewicht gespielt – Ihre dunkle Seite?
BusseNö. Ich sah einfach aus, wie gebrochene Jungs aussehen. Darum habe ich die Rolle bekommen. Komisch durfte ich erst mit 31 sein.
Wofür haben Sie den Negativ-Preis die Saure Gurke verliehen bekommen?
BusseNicht ich, sondern die Sendung „Nur für Busse“. Da wurde in einem Sketch Vergewaltigung thematisiert. Sehr männerkritisch. Zum Brüllen. Ich glaube, Frau Schwarzer würde sogar darüber lachen – hätte sie gerade nicht so viel Ärger. Die Welt hat sich dennoch empört – ohne die Szene jemals gesehen zu haben.
Wie kommen Sie eigentlich auf Ihre Pointen?
BusseIch beobachte. Ununterbrochen. Menschen, Situationen, Tagesgeschehen. Und dann geht es darum, Doppeldeutigkeiten zu erkennen. Dass Angela Merkel an Krücken geht, ist Fakt. Dass sie mit Krücken arbeitet, schon wieder komisch. In Sketchen muss man Alltägliches auf die Spitze treiben, damit das Publikum begreift.
„Wie komm’ ich jetzt da drauf?“ heißt Ihr Programm – worauf würde Jochen Busse nie kommen?
BusseLeute zu betrügen. Ich habe nie jemanden beschissen.
Sind Sie ein Gutmensch?
BusseEin schreckliches Wort. Ich teile gern. Auch mein Geld. Mit Menschen, die Hilfe brauchen. Und ich habe eine gewisse Moral, nach der ich lebe.
Haben Sie noch Selbstzweifel?
BusseNatürlich. Man muss zweifeln. Und suchen.
Wonach?
BusseDer noch größeren Falle. Der ultimativen Komik.
Das ist das große Ziel?
BusseJawohl. Das Endziel.
