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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Eroberer Don Juan hetzt von einer zur anderen

11.01.2016

Oldenburg Manchmal hat Konrad Beikircher richtig rabiate Vorstellungen. „Wenn einer La Valse von Maurice Ravel schneller nimmt als 13 Minuten: Geld zurück!“, stichelt der Musikfeuilletonist, der Musik so unernst ernst nimmt. Dirigent Roger Epple und das Oldenburgische Staatsorchester legen die von Walzerfetzen gesäumte Zeitstrecke von der Blüte der Belle Epoque bis zu ihrem Untergang viel, viel schneller zurück. Und?

Niemand fordert nach dem 4. Sinfoniekonzert im Großen Haus den Eintritt retour. Eher begeistern sich alle an gut elf Minuten sensationell zubereiteter Walzer-Zerstörung. Die überwältigende Logik liegt in der Fixierung der Interpretation auf die Entstehungszeit 1920. Den Menschen war die Luft zum Atmen noch knapp, die Zeit zum Innehalten nicht gegönnt. Diese tödliche Sogkraft ins Chaotische, diese lauernde und dann explodierende Stimmung treffen die Oldenburger Musiker mit filigraner Eleganz und Unerbittlichkeit.

Im Überkippen von zerfetzten Tanzteilen wahren das Orchester und der Generalmusikdirektor große Deutlichkeit des Strukturellen. Das Tempo treibt alle wie in einem Malstrom vor sich her. Zwischen Blech-Ausbrüchen und gespinstartigen Ziselierungen schieben sich Greifbarkeit und Ungreifbarkeit hinter- und übereinander.

Das Orchester hat auch das Format, sich beherrscht hysterisch in die emporstürmende Geste des „Don Juan“ op. 20 von Richard Strauss zu werfen. Es bleibt in den Ballungen durchsichtig im Aufbau und klar abgesetzt in den Farben. Epples Don Juan gibt sich als Getriebener zu erkennen, als Eroberer hinter seinem Zenit, als Verbraucher, der von Date zu Date hetzt, ehe er in Leere endet. Wohl nur Donna Anna (Oboe: Yumiko Kajikawa) mag ihm wirklich näherkommen.

Alle Schattierungen zwischen Grellheit und Dunkelheit werden in Bela Bartoks Konzert für Orchester von 1943 eingefangen. Das Orchester breitet die fünf Sätze in atemberaubender dialogischer Vielfalt aus. Es lässt Funktionalität und Eleganz ineinanderfließen und baut über die jähen Brüche Hochspannung auf.

In der technischen Komplexität und emotionalen Tiefe treibt das Werk ein Orchester an seine Grenzen. Die Musiker schultern das schwere Gepäck mit Standsicherheit und konzentrierter Bewegungsenergie. Das Staatsorchester spielt ungemein virtuos und in seinem Enthusiasmus ganz nah am Hörer. Dieses 4. Sinfoniekonzert setzt einen Meilenstein.

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