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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Ausstellung: Erschütternde Schönheit durch schlichte Alufolie

27.03.2014

Oldenburg Auf die Idee muss man erst mal kommen: das Glänzen eines Smaragds zu vergleichen mit dem von nassem Kopfsteinpflaster, das von Seide mit dem von Plastikfolie. Hans Magnus Enzensberger hat darüber ein gescheites Gedicht mit dem Titel „Reflexion“ verfasst, nachzulesen im Band „Rebus“, Bilderrätsel. Wetten, dass der große Schräg- und Schöngeist an „Bettina Khano“, der aktuellen Schau im Oldenburger Kunstverein, seine helle Freude hätte?

Denn Bettina Khano ist mit ihren Arbeiten dem Glänzen an sich, also als quasi körperlosem Phänomen, lustvoll auf der Spur, dem und zugleich seinem puren Gegenteil, dem Nichtglanz, dem matt Abgestumpften, Verunklarten, Vagen. Welches Material sie auch verwendet – gefaltete, zerknitterte Alufolie, einzeln oder zum Diptychon arrangierte Aluminiumplatten, Spiegelflächen, Mattlacke, Kunstnebel –, stets mutiert es in Khanos Kompositionen zu Multivalentem, fähig zu diesem und jenem, je nachdem, von wo und wie der Betrachter blickt. Hat man zuvor geahnt, zu welch erschütternder Schönheit schlichte Alufolie fähig ist, wie sie auflebt dank Schatten und Licht?

Mit vermeintlich kühlem Intellekt paart Khano Sein und Schein, Zwei- und Dreidimensional, Materie und Imagination zu karg bestückten Versuchsanordnungen, die in ihrer faszinosen Komprimiertheit, ganz wie ein gutes Gedicht, einen Sog entwickeln, dem man sich kaum zu entziehen vermag.

Khano, aufgewachsen in Wien, nach Stationen in Paris und in London jetzt in Berlin lebend, liebt Minimal Art und mit ihr das Flair der Sechziger, Kinoseligkeit inklusive. Und sie liebt es, Licht zu orchestrieren und uns so Blick- und Hirnfallen zu stellen.

Auch eine der Arbeiten, die sie für Oldenburg neu entwickelt hat, spielt mit Nebel und Licht. Ein im Nebel klar konturierter Lichtkegel fällt auf einen vermeintlichen Durchgang in der Wand gegenüber. Der Durchgang freilich ist flüchtig. Kaum wird der Stecker von Scheinwerfer und Nebelmaschine gezogen, Zack!, und alles ist hin. Für die schöne Illusion nämlich, ebenso wie für Nebel und Licht, gilt dasselbe, was uns Enzensberger in der letzten Strophe vom Glänzen verrät: „Alles nur vorläufig.“

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