Bonn/Oldenburg - Über fünf Jahre nach der Entdeckung der spektakulären Kunstsammlung von Cornelius Gurlitt (1932–2014) steht die Aufarbeitung der Herkunft der mehr als 1500 Werke des „Schwabinger Kunstfunds“ noch vor großen Schwierigkeiten. „Wir müssen uns wahrscheinlich damit abfinden, dass bestimmte Provenienzen nie endgültig geklärt werden“, sagte die Kuratorin Agnieszka Lulinska am Dienstag in Bonn. Erst bei knapp zwei Dritteln der Gurlitt-Werke ist die Herkunft ermittelt.

Rund vier Monate vor der Ausstellung von 250 Werken aus der teilweise mit NS-Raubkunstverdacht behafteten Sammlung stellte die Bundeskunsthalle in Bonn am Dienstag erstmals einige Werke vor. Darunter waren ein Gemälde von Monet, Papierarbeiten von Maillol, Boucher und Dürer sowie eine Marmorskulptur von Rodin.

Anfang November startet zeitgleich in Bonn und Bern eine Doppelausstellung mit Kunstwerken aus dem Gurlitt-Fund. Am Freitag will auch das Kunstmuseum Bern als Erbe der Gurlitt-Sammlung erste Arbeiten präsentieren.

Der 2014 gestorbene Cornelius Gurlitt war der Sohn von Hildebrand Gurlitt (1895– 1956), der einer der Kunsthändler Adolf Hitlers war und die Sammlung zusammengetragen hatte. Hildebrand Gurlitt kaufte 1941 unter anderem in Oldenburg aus dem Landesmuseum die Ölstudie „Reiter am Strand“ von Max Liebermann. Der Grund: Das Bild stammte von einem jüdischen Maler. Heute hängt es nach einigen Zwischenbesitzern in Lothar-Günther Buchheims (1918–2007) „Museum der Phantasie“ am Starnberger See. Es ist Eigentum des Bayerischen Staates geworden. Marcus Kenzler, Provenienzforscher des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte in Oldenburg: „Die Geschichte des Bildes ist ein verblüffendes Zeugnis der Kunstpolitik im Nationalsozialismus.“