Nordenham - Shakespeare einmal anders: Fünf Schauspieler stehen an Schaumstoffma-tratzen an einer Wand. Einschläfernde Musik läuft im Hintergrund. Dargestellt wird der Schlafsaal einer Rehabilitationseinrichtung aus der Vogelperspektive. Per Einblendung erscheinen Kurzporträts der Protagonisten. Alle arbeiten in stark leistungsorientierten Jobs und leiden unter den modernen Gesellschaftskrankheiten Burn-out oder Depressionen.

Die Bremer Shakespeare Company zeigte am Mittwoch in der Friedeburg eine moderne Inszenierung des Dramas „Romeo und Julia“. Das Bühnenbild entspricht dem Umfeld einer Rehabilitationseinrichtung. Überall liegen Matratzen. Es gibt Schwimmnudeln und Gymnastikbälle, die für die Aufführung in der Aufführung als Requisiten verwendet werden.

Im Stück machen die Protagonisten, nachdem sie erwacht sind, erst einmal Morgengymnastik. Erst dann geht es an das Einstudieren des Dramentextes. Durch das Spielen des Stückes sollen die Patienten ihre verlorenen Emotionen wiederentdecken. Langsam aber sicher finden sie sich dann auch in die tragische Geschichte um Romeo und Julia ein.

Zu Beginn der Aufführung ähneln die Protagonisten mit unterdrückten Ängsten und ihrem aggressiven Verhalten noch den impulsiven Figuren des Dramas. Mit der Zeit identifizieren sie sich jedoch immer stärker mit den Figuren im Text und tragen deren Konflikte aus.

Auf diesem Weg kommen sie ihren eigenen Bedürfnissen auf die Spur und können ein Ventil für ihre verschütteten Emotionen finden.

Hervorzuheben ist die schauspielerische Leistung der fünfköpfigen Besetzung, die durch ihr ausdrucksstarkes Spiel zu überzeugen weiß. Inhaltlich ist der Stoff für die Besucher jedoch phasenweise schwer verständlich.

Ulla Schneider ist Abonnentin des Theaterprogrammes und fand die Inszenierung zu modern. „Obwohl die Schauspieler gut waren, ist mir diese Aufführung im Vergleich zum Originalstoff zu extravagant“, sagte die Nordenhamerin, die selber Laientheater spielt. Trotzdem freut sie sich auf die nächste Aufführung. Am 9. Dezember führen die Theatergastspiele Fürth das Stück „Der Weibsteufel“ in der Friedeburg auf.

Wolfgang Alexander Meyer
Wolfgang Alexander Meyer Redaktion Oldenburg