Marbach - „Vorlesung am Vorabend abgesagt. Morgens Einkäufe: Revolver. Nachmittags gegen 3 Uhr verkünden Extrablätter den ,drohenden Kriegszustand’.“ Der im Elsass geborene Dichter Ernst Stadler ist knapp 31 Jahre alt, als er diese ersten Worte in sein Tagebuch schreibt. Seine Notizen stehen im Zentrum der Ausstellung „August 1914. Literatur und Krieg“. Fast 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs macht das Deutsche Literaturarchiv in Marbach den Krieg jetzt in einer Ausstellung (bis 30. März 2014) erschreckend anschaulich.

In Tagebüchern und Briefen schildern Autoren ihre Eindrücke und Erlebnisse. Dank ihrer unverblümten Worte ist der Betrachter mittendrin in Euphorie und Elend, Blauäugigkeit oder Angst. Es ist vor allem der Kontrast zwischen Alltag und Krieg, der erschüttert. Er findet sich immer wieder auch in den Exponaten von Autoren wie Ernst Jünger, Hermann Hesse und Arthur Schnitzler. Mehr als eineinhalb Jahre haben Spezialisten Archive durchforstet und an der Präsentation gearbeitet.