Wildeshausen - Die Diakonie Himmelsthür muss sich „innerhalb der nächsten zehn Jahre neu erfinden“. Das kündigte Regionalgeschäftsführer Jörg Arendt-Uhde beim „Freundesmahl“ an. Der Konversionsprozess von der Großeinrichtung an der Dr.- Klingenberg-Straße in Wildeshausen hin zu kleinen Einheiten in der Region könne nur gelingen, wenn alle Mitarbeiter mitziehen.
Allein der Blick in die Statistik genüge, um die Herausforderungen zu erkennen: Von den Menschen mit Behinderungen, die 1975 die Großeinrichtung bezogen haben, leben noch 150. Sie seien im Schnitt 59 Jahre alt. Die Einrichtung müsse sich auf eine hohe Sterbequote einstellen. Die 370 Beschäftigten seien im Schnitt 46 Jahre alt. 54 Mitarbeiter seien länger als 30 Jahre hier tätig. Arendt-Uhde: „In den nächsten Jahren werden wir 40 Prozent unserer Mitarbeiter verlieren.“
Die Gebäude auf dem Großgelände seien nicht mehr zeitgemäß. Das „Haus Butjadingen“ werde Mitte Dezember „leergewohnt“; zu Beginn des neuen Jahres soll es abgerissen werden. „Haus Cloppenburg“ stehe ebenfalls bald leer. Arendt-Uhde regte eine Diskussion mit den Verantwortlichen der Stadt über die Nachnutzung des Areals an.
In dieser Woche bezieht die Himmelsthür ein neues Haus an der Harpstedter Straße. Drei neue Wohnhäuser werden in Sandkrug bezogen. Ein weiteres Wohnprojekt für 24 Menschen mit Behinderungen am Kiebitzweg in Sandkrug sei im Frühjahr 2013 geplant; ebenso ein Wohnprojekt für Menschen mit sehr hohem Unterstützungsbedarf im Zentrum von Delmenhorst. Ausbauen wolle die Himmelsthür Wohnangebote mit ambulanter Betreuung. „Wir müssen viele neue Kunden gewinnen“, kündigte der Regionalgeschäftsführer an. Diese hätten aber andere Ansprüche als jene von 1975.
Der dramatische Wandel werde aber nur gelingen, „wenn die Mitarbeiter mitziehen“. Er sei froh, dass es der Himmelsthür-Leitung gelungen sei, mit der Gewerkschaft „Verdi“ einen gesonderten Tarifvertrag für die Beschäftigten abzuschließen. Er beinhaltet beispielsweise Regelungen über eine feste Jahressonderzahlung sowie ein Absenken der Wochenarbeitszeit (die NWZ berichtete). Ziel bleibe die volle Anwendung des Tarifvertrages für den öffentlichen Dienst in Betreuungseinrichtungen (TVöD-B).
Die Himmelsthür erfahre im Prozess des Wandels eine breite Unterstützung. Geplant sei ein Projekt mit der Freiwilligen-Agentur „Misch mit“. Zudem sei ein Angehörigen-Beirat gegründet worden.
