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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Es kracht in Bayreuth

28.07.2014

Bayreuth Auf dem Grünen Hügel knallt es. Und die technische Panne, die die Eröffnungspremiere des „Tannhäuser“ rüde mit einem Knall unterbrach, wird sogar noch übertönt. Denn Frank Castorf scheint derzeit großen Spaß daran zu haben, auf Konfrontationskurs zur Festspielleitung zu gehen. Erst sagte er dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“, man habe ihn wie einen Idioten behandelt, dann legte er am Eröffnungswochenende nach.

Auch wenn die traditionelle Pressekonferenz vor der Eröffnung in diesem Jahr ausfiel - schweigen wollte er nicht. Entspannt schlenderte er über den Grünen Hügel und den Staatsempfang, um lächelnd zu sagen, was ihn stört in Bayreuth - und das ist wohl einiges.

Dass die Wagner-Schwestern nicht mit ihm redeten, bevor sie Alberich-Sänger Martin Winkler auf die Straße setzten, nimmt er ihnen übel. Die Umbesetzung, die er schon in seinem wütenden „Spiegel“-Interview beklagt hatte, nannte er „denunzierend und berufsschädigend“. Er verwahrte sich gegen jeden Versuch, Einfluss auf seine Inszenierung zu nehmen.

Und auch wenn die Arbeitsbedingungen inzwischen wieder so seien, dass er glaube, dort arbeiten zu können, die noch abstrakte Drohung mit Anwalt Gregor Gysi und einer einstweiligen Verfügung hält er gerne aufrecht. „Wenn sich das noch mal wiederholt, dann muss ich nicht hier sein. Es ist die Frage, was aus einer Inszenierung wird, die ohne Kapitän dahinschlingert“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. „Ich drohe nicht, aber ich sage, was sich nicht gehört.“

Die einstweilige Verfügung sei für ihn nicht für alle Zeiten vom Tisch. „Mein Anwalt sagt zwar, den Prozess verlieren wir, aber die schönsten Prozesse sind doch die, die man verliert, die aber trotzdem wichtig sind und Aufmerksamkeit erregen.“

Festspielleiterin Katharina Wagner schlug derweil zurück und deutete an, Castorfs „Ring“ könnte Besucher abgeschreckt haben. Im „Nordbayerischen Kurier“ antwortete Wagner auf die Frage, ob viele Besucher keinen dekonstruierten „Ring“ sehen wollten und deshalb lieber woandershin gefahren seien: „Das kann auch sein, das will ich nicht ausschließen.“

Welche Auswirkungen diese Scharmützel auf das Verhältnis zwischen Castorf, „Ring“ und Publikum haben werden, bleibt spannend. Viel an seiner Inszenierung geändert hat der Chef der Berliner Volksbühne wohl nicht, wie er vorher verlauten ließ. Sein „Rheingold“ wird also wieder in einem US-amerikanischen Motel spielen - mit lasziven Rheintöchtern und einem Zuhälter-Wotan.

Das Öl soll es eigentlich sein, das seinen „Ring“ als Leitmotiv und Gold unserer Zeit zusammenhält. Im Premierenjahr 2013 aber wirkte das sehr als Alibi-Behauptung. Zwar spielte die „Walküre“ bei der Ölförderung in Aserbaidschan, im „Rheingold“ aber wiesen nur einige Zapfsäulen darauf hin, in der „Götterdämmerung“ hier und da ein paar Fässer. Teil der Geschichte sind diese kleinen Randerscheinungen vor allem darum nicht, weil Castorf überhaupt keine Geschichte erzählte, sondern - wie das eben sein Stil ist - bis zur Unkenntlichkeit auf das Werk einprügelte.

Ein minutenlanges Buh-Konzert hatte das Bayreuther Publikum dafür nur übrig, das nach der „Götterdämmerung“ in einer Art Showdown endete. 15 provozierend lange Minuten verharrte Castorf im Proteststurm - ein offen ausgetragener Machtkampf zwischen ihm und den konservativen Bayreuther Festspielbesuchern. Das wolle er in diesem Jahr nicht mehr machen, sagte er der dpa. „Zweimal ist doch langweilig.“

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