ESSEN - Professor Dr. Uwe Meiners (Stiftung Kulturschatz Bauernhof) und Klemens Ratte-Polle haben am Mittwoch auf dem Hof Ratte-Polle im Essener Ortsteil Brokstreek einen Sandsteinbrunnen aus dem 18. Jahrhundert präsentiert. Die Stiftung hatte die Wiederaufarbeitung mit 2500 Euro unterstützt. Ziel der Stiftung ist es, die gewachsene Kultur des ländlichen Raumes in der Region zu erhalten. Die Stiftung unterstützt dazu Hofeigentümer bei der Substanzerhaltung.
Ratte-Polle hatte die abgebauten Elemente der ehemaligen Brunneneinfassung über Jahrzehnte hinweg gelagert und somit erhalten, so Meiners. In der Regel wurden alte Brunneneinfassungen entsorgt oder das Sandsteinmaterial wurde weiter verwendet. 2006 hatte Ratte-Polle die Stiftung gebeten, ihn bei der Wiederaufsetzung der vier steinernen Brunnenelemente zu unterstützen. Die Maßnahme wurde schließlich in enger Abstimmung mit der Unteren Denkmalbehörde des Landkreises Cloppenburg als förderungswürdig eingestuft. Die fachgerechte Sanierung und Wiederaufrichtung des Brunnens wurde von der Cloppenburger Steinmetzfirma Klemens Dierkes durchgeführt.
Brunnen waren in der Vergangenheit für die örtliche Wasserversorgung unverzichtbar. Das gewonnene Grundwasser besaß meist eine bessere Qualität als oberirdisch aufgefangenes Regenwasser, erläuterte Meiners. Voraussetzung für die unterirdische Wassergewinnung war die Anlage eines Brunnenschachts, der bis in die wasserführenden Schichten (etwa in zwei bis vier Meter Tiefe) geführt wurde. Aufgelassene Brunnen wurden gerne als Abfallgruben weiterverwendet. Für die Neuzeitarchäologie stellen diese Schächte, so Meiners, oft ergiebige Fundstätten für Hausrat (Keramik) oder Speiseabfälle (Knochen, Muscheln) dar.
„Bei einem durchschnittlichen bäuerlichen Haushalt von sechs Personen, zwei Pferden, acht Kühen und Rindern, zwei Schweinen und etwas Kleinvieh machte die tägliche Wasserversorgung viel Arbeit“, erläuterte Meiners. Das Wasser musste aus dem Brunnen geholt und mit Eimern ins Haus getragen werden: „Das konnten pro Tag mehr als 400 Liter sein.“
Ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts sind für den ländlichen Raum Nordwestdeutschlands sandsteinerne Brunneneinfassungen belegt. Sie hatten auch Status anzeigende Funktion.
