Eversten - 60 Mal Wein eingekauft, 60 Mal Dips angerührt, 60 Mal abgewaschen, 60 Mal abgerechnet, 60 Mal nette Menschen und tolle Musiker kennengelernt: Eine stattliche Bilanz wird das Team rund um Ulla Malpricht an diesem Freitag vorweisen können. Zum 60. Mal hat die zehnköpfige Truppe dann ein 66-Minuten-Konzert in der Kreuzkirche (Eichenstraße 15) auf die Beine gestellt. Die Organisatoren haben wieder für alles gesorgt. Nur die Musik, die machen stets andere. Diesmal ist es das Duo L’ Abbondanze mit „The Baroque Sound of Music“.
„Eine Woche buchstäblich ausklingen lassen“: So beschreibt das Orga-Team das, worum es ihm geht. Die Idee dazu ist im Jahr 2012 nach dem Ostergartenprojekt entstanden. Damals bildete ein einstündiges Konzert den Wochenabschluss. Die Teilnehmer der letzten Führung, Gemeindemitglieder und weitere Gäste nutzten die Möglichkeit, danach auch noch bei Getränken und Snacks im Foyer der Kirche ins Gespräch zu kommen, nur zu gern. Nach dem gleichen Prinzip verfährt man auch bei den 66-Minuten-Konzerten.
Das alles kostet nichts
Seit Anfang 2013 gibt es diese rein privat organisierte Veranstaltungsreihe. An jedem letzten Freitag im Monat (mit Ausnahme der Ferien) wird in der Regel ab 20 Uhr zu Konzerten mit unterschiedlichen Künstlern eingeladen. Nach gut einer Stunde (so ungefähr nach 66 Minuten eben) kann das Publikum einen kleinen Imbiss im Foyer genießen und den Abend gemütlich ausklingen zu lassen. Das alles kostet nichts, Spenden zur Kostendeckung sind aber herzlich willkommen.
Im 60. Konzert der Konzertreihe „66 Minuten“ in der Kreuzkirche, Eichenstraße 15, entführt das Ensemble L’Abbondanza am Freitag, 22. Februar, in die reiche Musikwelt des barocken Österreichs. Beginn ist um 20 Uhr. Katrin Meiners (Blockflöten) und Jörg Jacobi (Cembalo, Barockharfe) spielen schwungvolle Tänze, ausgefallene Variationen und virtuose Sonaten von Kaiser Leopold I., Johann Heinrich Schmelzer, Alessandro Poglietti und anderen Komponisten. Außerdem improvisieren die beiden Musiker im barocken Stil. Jörg Jacobi, Herausgeber der Leopold-Werkausgabe, erzählt dazu mehr über den komponierenden Kaiser und seine Hofmusik.
Im Anschluss wird wieder zum gemütlichen Ausklang bei einem Glas Wein eingeladen.
„Die Konzertreihe ist Teil unserer Kultur, einladende Gemeinde zu sein“, erklären die Organisatoren ihre Intention. Sie sagen auch: „Musik- und kulturinteressierte Menschen aus den eigenen Reihen, aus dem Stadtteil, anderen Gemeinden, aus ganz Oldenburg sowie auch kirchenferne Menschen sollen sich angesprochen und eingeladen fühlen, die Gemeinde kennenzulernen.“ Die Konzertreihe biete die Chance, mit Menschen in Kontakt und ins Gespräch zu kommen, auf die Angebote aufmerksam zu machen und Interesse für einen Austausch zu verschiedensten Themen einzuladen.
Mittlerweile ist die Reihe nicht nur beim Publikum sehr beliebt. „Auch die Künstler melden sich jetzt schon selber bei uns“, erzählt Cordula Seeber vom Orga-Team. Ein Beweis dafür, dass dieses private Engagement auf breites öffentliches Interesse stößt, ist das Gästebuch. „Ein wunderschöner Abend. Klasse Song-Auswahl mit viel Gefühl. Einfach großartig“, hat da jemand über einen Abend mit Angela und Robin Davis (vom Oldenburgischen Staatstheater) geschrieben.
Schöner Feierabend
Auf einer anderen Seite steht: „Schöner ,Feierabend’, ruhig, besinnlich und Christus in der Mitte. Was will der Mensch mehr. Danke“. Dieses Urteil bezog sich auf ganz besondere 66 Minuten. Zum Reformationsjubiläum wurde das Konzert im Oktober 2017 nämlich von Menschen aus der Gemeinde sowie dem Flötenensemble der Kreuzkirche gestaltet. „Reformation – da geht was (Perspektiven, Anstöße, Wirkungen)“ war zeitgleich das Thema einer Ausstellung im Foyer. Und da ging auch was im Konzert.
Auch an die Kinder wurde gedacht: Am 30. Januar gab es zum ersten Mal „66 Minuten für Kinder“, dann am Nachmittag. Das Urteil ist dazu im Gästebuch nachzulesen – in verschiedenen Bunststiftfarben: „cool“, „supergut“, „toll“.
Das ist dann auch für die Organisatoren der schönste Lohn. „Es macht uns einfach Spaß, einen kulturellen Beitrag zu leisten“, sagen sie. Das Jahr 2019 ist längst bis zum Adventskonzert durchgeplant. Nach den barocken Klängen an diesem Freitag wird es am 29. März unter dem Titel „Summertime“ Blues, Jazz, Rock und Pop geben: von den „Big Bandits“ aus Oldenburg.
Da wird sicherlich für viele Geschmäcker etwas dabei sein, wie auch bei den Dips die das Team genauso liebevoll zusammenrührt. Und das schon zum 60. Mal.
