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Uraufführung Spielerisch und philosophisch

Horst Hollmann

Oldenburg - Hier steppt der Bär nicht. Hier wandelt er. Durch den Wald. Durch sich selbst. Durch die eckigen Gedanken der Wesen um ihn herum. Um das bequeme Bergrind, den Vorzeige-Pinguin, den saumseligen Salamander, die träge Schildkröte. Der Bär denkt viel, fragt viel, denkt noch mehr. Genau 55 Minuten lang macht er das in der Exerzierhalle. Das ist haargenau noch die richtige Zeitspanne, um Kindern ab fünf Jahren und ihren Eltern Anregungen für hinterher viel längere Gespräche zu geben.

In Oren Lavies Kinderbuch „Der Bär, der nicht da war“ von 2014 tritt der Bär nicht als Symbol urwüchsiger Kraft auf. Er wird zum Philosophen. In dem gleichnamigen Stück fürs Kindermusiktheater des belgischen Komponisten Frederik Neyrinck (32) zeigt sich das Staatstheater durchaus mutig. Kann es in dieser Uraufführung klappen, immer alle Besucher im Boot zu halten, ohne dass wie beim Vorlesen Raum für Zwischenfragen gelassen wird? Es klappt. Und wie!

Spaß am Querdenken

Den Bären juckt das Fell und auch eine Frage wie: „Bist du ich?“ Oder ihm wird deutlich: „Je mehr ich gucke, desto weniger weiß ich.“ Dann lässt er die Hörer an allen drei Tribünenseiten die Ohren spitzen: „Hörst du die vielen Sorten von Stille?“ Ganz schön hintergründig für junge Menschen. Doch die sind voll bei der Sache. „Der Erste!” rufen Kinder auf seine Überlegung hin: „Bin ich nun der Erste oder der Letzte?“

Die Regie von Sara Ostertag lässt der Denk-und-Frage-Geschichte ihren Zauber. Aber sie verniedlicht sie nicht. Sie bleibt auf eigene Weise in der Poesie der Buch-Illustrationen von Wolf Erlbuch. Michela Flück baut den Wald im Bühnenbild mit Baumstämmen robuster und holziger auf, lässt die Kostüme plakativer wirken.

Matthias Kleinert kommt nicht im Bärenkostüm. Aber unter seinem braunen Sakko offenbart er eine Bärenseele. In einer Tasche findet er einen Zettel, der ihn als „nett, glücklich und hübsch“ ausweist. Dass es so ist, dessen muss er sich aber erst versichern.

Melanie Lang und Timo Schabel vom Gesangsensemble helfen ihm da mit spürbarer Spielfreude und Spaß am Querdenken auf die Sprünge. Auch die Musiker Henning Ahlrichs (Schlagwerk), Ruth Ellendorff (Tuba) und Petia Rousseva (Bratsche) rücken als Waldmenschen einiges auf der Bühne selbst zurecht.

Musik gibt es eine Menge. Keine Dudelmusik, eher Rhythmen, Melodien, anspitzende und zarte Geräusche, um Situationen zu illustrieren, Gedanken zu vertiefen, auch mal eine Taxi-Arie einzufügen.

Alles wird gut

Und in wichtigen Momenten eilt die Musik voraus. Wenn die Tiere noch verblüfft innehalten, dann deutet die Musik immer schon mit einem Schlenker an: Alles wird gut!

So ist es. Weil auch eine Geschichte ohne äußere Handlung gut ausgeht, schmettern alle zusammen um die Bärenhöhle herum im Kanon: „Hier wohnt der Bär!“ Der steppt immer noch nicht. Doch er weiß nach dieser Wanderung zu sich selbst, dass er „sehr nett, sehr hübsch und sehr glücklich“ ist. Da kann ihm keiner mehr einen Bären aufbinden.

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