Dangast - Als der Maler Franz Radziwill 1923 im Alter von 28 Jahren nach Dangast zog, war er vor allem von der nächtlichen Dunkelheit in der Weite der Küstenlandschaft beeindruckt. Anders als in der Großstadt Berlin mit seiner Beleuchtung, senkte sich mit dem Sonnenuntergang ein tiefes Schwarz über die Provinz am Jadebusen.
Die Nächte an der Nordseeküste waren für Franz Radziwill „intensive Erlebnisse“, sagt seine Tochter Konstanze Radziwill. Und diese schlugen sich fortan auch in den Werken des Künstlers nieder. „Ist Schwarz eine Farbe, und welche Bedeutung hat sie in der Malerei“, fragte er sich selbst in einem Eintrag in sein Tagebuch – und begann zu experimentieren.
„Die Farbe Schwarz ist zu der Zeit ein Forschungsprojekt von ihm gewesen“, berichtet Konstanze Radziwill und zeigt auf das sehr dunkle Ölgemälde „Zwei Männer und eine Frau in einer Loge“. Es ist eines von 28 Werken, die in der neuen Ausstellung „Schneeweiß und Nachtschwarz“ zu sehen sind. Die Eröffnung findet an diesem Sonntag, 13. März, um 11.30 Uhr im Kursaal Deichhörn in Dangast, Am alten Deich 4, statt. Anschließend besteht die Möglichkeit, die Ausstellung im Künstlerhaus an der Sielstraße 3 zu besichtigen.
„Die Gestaltungsformen stehen im Vordergrund. Wir wollen herausfinden, was so typisch ist an den Bildern von Franz Radziwill und woran man seine Werke sofort erkennen kann“, sagt Kuratorin Birgit Denizel, die die Ausstellung zusammengestellt hat.
Zu sehen sind drei Bilder, die nie oder nur einmal im Original in einer Ausstellung gezeigt wurden. In dem Werk „Stillleben mit Bartnelke“ von 1937 kann man Radziwills Bezug auf die Farbe Schwarz und deren Abstufungen sehr gut erkennen. Es galt bisher im Werkverzeichnis als verschollen und kam über Umwege von einem Privatsammler vorübergehend zurück nach Dangast. Das Bild „Grabsteine“ (1925) wurde nur 1936 einmal in der Kunsthalle Wilhelmshaven ausgestellt, „Tulpen gegen schwarz und weiß“ (1946) 1956 in Herford.
„Über diese Kontraste ist Franz Radziwill zu Farben und zur Malerei gekommen“, sagt Konstanze Radziwill und zitiert die erste Textzeile eines Gedichts, das ihr Vater nach seinem Umzug nach Dangast geschrieben hat: „Die Nacht legt sich über alle Farben.“
