Cloppenburg - Das Museumsdorf Cloppenburg will in diesem Jahr das Fahrrad ins Zentrum seiner Aktivitäten rücken. Das betonte Frank Preisner, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Museumsdorfes Cloppenburg, am Sonntag beim traditionellen Sonntagsspaziergang. Rund 30 Teilnehmer hatten sich zum Rundgang durch die Fahrradausstellung eingefunden.
Start im Oktober
Noch bis Spätsommer 2014 präsentiert das Freilichtmuseum einen kleinen Teil seiner umfangreichen Fahrradsammlung in der Beischeune des Kolonats Meyer. Mit Hochdruck wird zurzeit an der Planung und Realisierung der großen Fahrradausstellung gearbeitet, die ab Oktober in der Münchhausen-Scheune zu sehen sein wird.
In dieser Ausstellung wird die umfangreiche Sammlung von Gaby und Kalle Kalkhoff, die gut 200 historische Fahrräder umfasst, der Öffentlichkeit präsentiert. Vor zwei Jahren konnte das Museumsdorf die Sammlung mit finanzieller Unterstützung der Stadt und des Landkreises Cloppenburg, des hiesigen Fahrradherstellers Derby Cycle und privater Förderer übernehmen.
Beeindruckendes Hochrad
Groß war das Interesse der Sonntagsspaziergänger an den technischen Besonderheiten der verschiedenen Damen-, Herren- und auch Kinderfahrräder aus den Anfängen der Fahrradproduktion. Neben den beeindruckenden Hochrädern und frühen Sporträdern zog besonders das „Ladies-Front-Tandem“ als „Gegenstück zur Emanzipation“ die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich.
Bei dem zweisitzigen Fahrrad aus dem Jahr 1892 konnten die Frauen mit ihren langen Röcken vorne sitzen. Mit ihrem relativ kleinen Lenker durften sie zwar auch die Richtung vorgeben, aber der Mann, der hinten saß, konnte jederzeit mit seinem Lenkrad die Führung übernehmen. Aber schon bald war der Siegeszug des Fahrrades auch bei den Frauen nicht mehr aufzuhalten. Viele alte Schwarz-Weiß-Fotos belegen, wie beliebt das Fahrrad schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch bei den Frauen war.
Besondere Modelle
Durch die Ausweitung der Produktion sei das Fahrrad, das zunächst nur ein technisches Spielzeug für Wohlhabende war, ein Massenprodukt geworden, das sich auch ärmere Familien hätten leisten können, betonte Preisner. Den technisch interessierten Besuchern vermittelte er einen detaillierten Einblick in die Besonderheiten der verschiedenen Fahrradmodelle.
Verblüfft zeigten sich die Besucher darüber, wie fortschrittlich bereits die Fahrräder in ihrer Frühzeit waren. Der Kardanantrieb, Karbidlampen, eine Federung der Sitze und eine Vorderradfederung waren bereits im frühen 20. Jahrhunderts bei hochwertigen Fahrrädern zu finden.
