FALKENBURG - Seit 25 Jahren ist das Laurentiushaus eine Bildungsstätte für Menschen am Rand der Gesellschaft. Wer hier war, „kehrt verwandelt heim“, sagt Leiterin Andrea Gärtig.
Von Karsten Kolloge
FALKENBURG - Trotz seiner Größe ist das Laurentiushaus auf dem Gelände des Lutherstiftes eher unscheinbar. Ohne Schickimicki findet hier, abseits vom Scheinwerferlicht, Bildungsarbeit für Erwachsene mit geistiger Behinderung oder mit Psychiatrieerfahrung statt. Auch ist das Haus Herberge für etliche, oft kirchennahe Gruppen. Am Sonnabend, 10. Juni, wird das unscheinbare Gebäude im Rampenlicht stehen: Das Laurentiushaus feiert sein 25-jähriges Bestehen und zeigt aus diesem Anlass Makrofotografien von der „Schönheit des Unscheinbaren“.Drei Säulen habe das Haus, erläutert Andrea Gärtig, 45, Leiterin der Einrichtung. Da sind zunächst die einwöchigen Bildungsurlaube für Erwachsene mit geistiger Behinderung, zurzeit sieben pro Jahr. „Hier passieren oft ganz kleine Schritte, aber für die Teilnehmer großartige Dinge“, beschreibt die Diakonin. „Die Menschen kehren verwandelt heim.“
Zweite Säule sind Seminare für Menschen mit Psychiatrieerfahrung (zurzeit drei pro Jahr).
Drittens ist das Haus eine Herberge für ganz unterschiedliche „Selbstzahler-Gruppen“: Hier proben Gospelchöre, treffen sich Selbsthilfegruppen oder Informatik-Studenten, mitunter bereitet hier auch das Schwarze Kreuz Strafgefangene auf das Leben in Freiheit vor.
Bildungsurlaube und auch Seminare, so sagt Andrea Gärtig, seien nicht kostendeckend (die oft in Werkstätten tätigen behinderten Erwachsenen zahlen für einen Bildungsurlaub 150 Euro). Zu ihrer Aufgabe zähle auch das Akquirieren von Selbstzahlergruppen – „um das Haus zu füllen, damit die andere Arbeit weiter gehen kann“. Dennoch bleibe ein Minus von einigen tausend Euro – die alljährlich vom Träger des Hauses aufgebracht werden, dem etwa 200 Mitglieder zählenden „Diakoniekonvent Lutherstift“.
Weil das Laurentiushaus in seinen Raum-Möglichkeiten begrenzt ist, soll das Jubiläum an zwei Tagen gefeiert werden. Am Sonnabend, 10. Juni, werden geladene Gäste erwartet. Geplant ist ein Nachmittag mit Jazzmusik, Pflanzaktionen, Rückblick (ab 14.30 Uhr), mit der Eröffnung der Makrofotografie-Ausstellung von Wilfried Vogel (16 Uhr) sowie einer Schlussandacht.
Der zweite Termin ist ein „Tag der offenen Tür“ am Sonnabend, 2. September. Mit diesem Tag wird die Ausstellung ausklingen.
29 GästeBetten unter einem Dach
Laurentius
, Geburtsdatum unbekannt, gest. 10. August 258, war einer der Diakone der Christengemeinde in Rom. Der Überlieferung nach wurde er zum Tode verurteilt, nachdem er sich geweigert hatte, Kaiser Valerian die Schätze der Kirche zu übergeben und ihm stattdessen arme Kinder als die wahren Schätze brachte.Das Laurentiushaushat 29 Schlafmöglichkeiten, eine große Küche, Speise- und Tagungsraum. Es ist offen für interessierte Gruppen. Gruppen mit bis zu 18 Personen zahlen für eine Nacht 250 Euro, bei mehreren Übernachtungen werden jeweils 198 Euro berechnet. Eine Buchung von Frühstück, Mittagessen und Abendessen im benachbarten Lutherstift ist möglich. Nähere Auskünfte erteilt das Laurentiushaus unter der Telefonnummer04222/92 15 40.
