FALKENBURG - Brigitte Kühntopf kennt das ehemalige Amtshaus auf dem Gelände des Lutherstifts in Falkenburg beinahe so gut wie ihr eigenes Zuhause. Seit 1987 bietet die ehemalige Konventsdiakonin Führungen durch das 1824 erbaute Gebäude an und sie weiß über seine Historie und kleinen Geheimnisse bestens Bescheid.

Letztere erkundet auch die erst kürzlich offiziell ins Amt eingeführte neue Leiterin des Lutherstifts, Dr. Edith Aschenbrenner, die schon jetzt begeistert ist von der Historie, die das Haus atmet. Überrascht sei sie erst kürzlich wieder gewesen, als sie den Tresor im Wandschrank des Lesezimmers entdeckt habe, erzählt Aschenbrenner.

Der Tresor ist ein Relikt eines früheren Bewohners. „Der Kaufmann Hermann Hagestedt hat das Haus 1934 gekauft und innen komplett umbauen lassen“, berichtet Brigitte Kühntopf. Den Tresor habe er sich damals in sein Büro einbauen lassen.

Das Amtshaus hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. So war es ab 1825 Verwaltungssitz für Ganderkesee und Hude – auf halber Strecke, direkt an der Postkutschenstraße zwischen Bremen und Oldenburg. Nach der Auflösung des Verwaltungssitzes Mitte des 19. Jahrhunderts wechselte das Haus mehrfach den Besitzer. 1904 erwarb es des Bremer Reformverein – „als so genanntes Luftbad“, wie Brigitte Kühntopf schmunzelnd erzählt. Hinter einem hohen Bretterzaun hätten die Mitglieder unbekleidet Baden gehen dürfen – zur damaligen Zeit eine Sensation.

Nach der Ära Hagestedt, die im Jahr 1956 endete, erwarben Diakonie und hannoversche Landeskirche das Haus, um dort zunächst Diakone auszubilden, später auch Fortbildungen für kirchliches Personal aus allen anderen Bereichen anzubieten.

„2005 beschloss die Synode, dass sie sich keine zweite Bildungsstätte neben Loccum mehr leisten wollte“, berichtet Brigitte Kühntopf. In der Folge gründete der im Lutherstift ansässige Diakoniekonvent zusammen mit den Rotenburger Werken der Inneren Mission eine gemeinnützige GmbH, die heute Träger der Bildungseinrichtung ist.

Das ehemalige Amtshaus ist längst nicht mehr das einzige Wohngebäude auf dem Gelände des Lutherstifts. 1963 war bereits ein neues Gästehaus hinzugekommen, das 2004 noch erweitert wurde. Zudem kamen im Laufe der Zeit diverse Nebengebäude hinzu, die teilweise von Höfen in der Umgebung hierher versetzt wurden.

Die Gäste des Lutherstifts stammen heute nicht mehr ausschließlich aus den Bereichen Kirche und Diakonie, wie Edith Aschenbrenner berichtet. Neben Gästen, die das Fortbildungsangebot der Einrichtung wahrnehmen, reisen immer mehr Gastgruppen an. „Heute haben wir bereits mehr Gastgruppen als eigene“, so die Lutherstift-Chefin.

Karoline Schulz
Karoline Schulz Redaktion Ganderkesee