Oldenburg - Der belgische Tüftler Adolphe Sax hat 1846 ein neues Musikinstrument zum Patent angemeldet und es kurzum Saxofon genannt. Ein Glück, dass der Erfinder nicht, sagen wir, den Namen Hieronymus Krzyczikowsky führte. Dann hätte das 1. Familienkonzert im Staatstheater möglicherweise „Piccolo, Krzycz & Violine“ heißen müssen. So blieb es aber bei „Piccolo, Sax & Violine.“

So harmonisch, wie das im Titel klingen mag, verläuft die Geschichte, die Thomas Lichtenstein im Großen Haus erzählt, erst einmal nicht. Bisher hat das Theaterorchester einer Stadt gemeinsam alle Tonhöhen und Tontiefen mit jedem Hertz der Instrumente genau ins Herz der Hörer gesendet - und dann taucht die musikalisch aufrührerische Familie Sax mit den Angehörigen Bariton, Tenor, Alt und Sopran auf. Der Geigenclan geht auf Konfrontation. Die Holzblas-Ästheten streiken. Die Blech-Mafia bläst den Neuen den Marsch. Mehrheitlicher Konsens: Beethoven hat nie etwas für Saxofon geschrieben. Und über Beethoven geht nichts.

Natürlich finden doch noch alle Instrumenten-Großeltern, -Eltern, -Kinder und -Enkel zusammen. Sie werden eine verschworene Großfamilie, so wie ein Staatsorchester mit vielen eigenen Charakteren und einer gemeinsamen Harmonie. Da gelingt auch Antonio Planelles als Dirigent ein feiner Einstand. Der 32 Jahre alte Spanier ist der neue Leitende Musikvermittler vor allem für das junge Publikum. Das ist nach der prägenden Ära von Thomas Honickel ein herausforderndes Unterfangen.

Planelles lässt in diesem Konzert die Musik allein sprechen. Die ist vom französischen Komponisten und Arrangeur André Popp entworfen oder aus dem Musikkosmos geschickt zusammengestellt. Sie unterhält locker mit kurzen Motiven, untermalt das Zusammenraufen der Instrumentenfamilien, erinnert auch an „Peter und der Wolf“ und geizt nicht mit bekannten Hits. Die reichen vom Wiener Walzer bis zu Prokofjew („Romeo und Julia“) und enden mit dem „Großen Tor von Kiew“ von Mussorgski. Orchester und Dirigent gewinnen zusehends Freude miteinander.

Den Clou servieren die Saxofone. Sie outen sich als große Beethoven-Fans. Ohne Noten für sie vom Meister? „Kein Problem“, sagt Großvater Bariton Sax, „dann sitzen wir still dabei oder im Saal und hören gespannt zu.“ Das dürfen sie gleich beim ersten Satz der 6. Sinfonie, der Pastorale.

Und ja: Wenn sie nicht gestorben sind, dann spielen sie heute noch alle zusammen.